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Pressedienst

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Dienstag, 31. Oktober 2006

Politik / Gesellschaft
Kirchenasyl gewaltsam beendet
Kurdische Familie aus Koblenz abgeschoben

Koblenz. - Am Dienstag morgen, 31. Oktober ist das Kirchenasyl für die seit über zehn Jahren in Koblenz lebende kurdische Familie Yildirim gewaltsam beendet worden. Etwa 30 Beamte in Zivil und Uniform drangen zwischen 7 und 8 Uhr in die Kirche St. Peter in Koblenz-Neuendorf ein, um die Familie mit ihren drei in Deutschland geborenen Kindern, Serhat (10), Cebrail (7) und Emine (5) abzuschieben.

 

Wie die Pfarrgemeinde St. Peter (Koblenz-Neuendorf und Koblenz-Wallersheim) mitteilte, „haben sich die Beamten nicht gescheut, auch auf die Kirche zu zugreifen“, obwohl vom Amtsgericht lediglich ein Beschluss zur Durchsetzung der Abschiebung für Pfarrhaus und Jugendheim vorgelegen habe. Alle Eingänge zur Kirche seien von der Polizei abgeriegelt worden. Auch der lautstarke Protest von etwa 40 Menschen habe nichts mehr verhindern können. Einer protestierenden Frau sei von einem Polizisten auf den Kopf geschlagen worden. Zeugen der Abschiebung hätten zusehen müssen, „wie die Familie - getrennt von einander - in die bereitstehenden VW-Busse verfrachtet und in Richtung Flughafen transportiert wurde“. Die Familie wohnte seit 11. Oktober im Pfarrhaus und seit dem 29. Oktober in einem Saal über der Kirche.

 

Nach Mitteilung der Pfarrgemeinde lebt die kurdische Familie seit zehn Jahren in Deutschland in Kettenduldung. Dem Mann werde in der Türkei Kriegsdienstverweigerung vorgeworfen, weil er den zivilen bewaffneten Dienst als sogenannter Dorfschützer unter Kommando der türkischen Armee verweigert habe. Sein Engagement gegen den Kriegsdienst habe er auch in Deutschland fortgesetzt. In der Türkei erwarte ihn auf der Grundlage der neuen Anti-Terror-Gesetze Einzelhaft bis zu einem halben Jahr ohne anwaltlichen Kontakt. Sein Prozess sei nun vom Amtsgericht Nusaybin an das Schwerstrafgericht in Diyarbarkir verwiesen worden.

 

„Wir sind zutiefst empört und schockiert: Das hätten wir weder Ministerpräsident Beck noch Oberbürgermeister Schulte-Wissermann zugetraut“, sagte Thomas Corsten, Pfarrer der Kirchengemeinde von St. Peter. „Wir haben mit der Familie zusammen gelebt. Wir kennen ihre Angst und Verzweiflung. Hier wird deutlich, wozu ‚Recht und Gesetz’ führen: Abschiebung, Einzelhaft, vielleicht sogar Folter, Traumatisierung der Kinder, Entzug der Lebensgrundlage...“ formuliert Barbara Bernhof-Bentley vom Pfarrgemeinderat. Sie hatte sich laut Mitteilung der Pfarrgemeinde „als Zeichen ihres zivilen Widerstandes an einem Polizeiauto mit einem Schal festgebunden, der ihr dann zerschnitten wurde“.

 

Der Dekanatsrat Koblenz im Bistum Trier hatte sich bereits im Juli nachdrücklich für eine „großzügige Bleiberecht-Regelung für langjährig geduldete Menschen“ ausgesprochen. An Ministerpräsident Kurt Beck hatte der Vorstand des Dekanatsrates appelliert, den „unwürdigen Status der Duldung“ endgültig abzuschaffen. Alle Bemühungen um ein Verbleiben der Familie waren aber seitens des rheinland-pfälzischen Innenministeriums abgelehnt worden.




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