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Rundfunkarbeit

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Samstag, 28. Juli 2012

Lebenszeichen
Gottes Fingerabdruck

Als Gott den Menschen schuf, war er sich keinesfalls sicher, ob der Mensch so, wie er ihn sich gedacht hatte, überhaupt fertig war. Immer wieder probierte er etwas Neues aus: Statt der Ohren hatte er zuerst eine Antenne mitten auf dem Kopf. Die war aber zu oft im Weg. Anstelle der Beine und Füße besaß er Rollen. Leider hatte Gott die Bremsen vergessen, so dass er auch da nachbessern musste. Statt einer schlanken, aufrechten Gestalt war der Mensch ein kugelförmiges Gebilde ohne Anfang und Ende. Doch schließlich war Gott von seinem letzten Entwurf eines Menschen überzeugt. Adam stand vor ihm. Und der hatte alles, was nötig war: Augen, Ohren, Mund und Hände, Füße zum Laufen und einen schönen, glatten, dicken Bauch für all die wunderbaren Leckereien, die es im Paradies zu kosten gab. Nur eines fehlte ihm: ein Anstoß, um sich in Bewegung zu setzen. Adam wusste noch nichts mit sich und der Welt anzufangen. Also streckte Gott seinen Zeigefinger aus, piekste ihn mitten in seinen glatten, runden Bauch und sagte: "Nun geh schon. Du bist fertig!"  Seitdem hat der Mensch einen Bauchnabel und trägt den Fingerabdruck Gottes an sich.

Eine schöne Kindergeschichte, die – wie viele Geschichten - nicht die ganze aber doch ein Quäntchen Wahrheit in sich trägt. Der Nabel ist die Stelle, an der die Nabelschnur des neu geborenen Säuglings abgebunden wird. Das ist die harte Tatsache. Aber eine andere Wahrheit liegt auch dahinter: der Nabel ist das Zeichen, dass alle Menschen untereinander verbunden sind, ein Zeichen, das uns verbindet über Generationen hinweg, uns verbindet mit der ganzen Schöpfung. Irgendwann und irgendwo hat alles Leben einen Anfang genommen. Von diesem Augenblick an sind wir alle durch eine weitverzweigte Nabelschnur miteinander verbunden. Und da kommt für den Gläubigen, den religiösen Menschen, dann das Göttliche ins Spiel. Wenn Gott als Schöpfer aller Dinge angenommen wird, bekommt die Aussage vom „Fingerabdruck Gottes“  einen Wahrheitsgehalt, der über den „harten Tatsachen“ steht. Für mich wird diese Wahrheit so in ein sehr sympathisches Bild gefasst. Wenn der Mensch sich als „Ebenbild Gottes“ verstehen möchte, wie es die Bibel nennt, dann werde ich durch „Gottes Fingerabdruck“ zu genau diesem unverwechselbaren Wesen. Zudem erinnert er mich Tag für Tag an diesen Anspruch und daran, dass ich mich auch dementsprechend zu verhalten habe. Gottes Fingerabdruck als „unverwechselbares Kennzeichen“ für mein Mensch-Sein. Natürlich unterscheiden sich die Menschen durch eine Vielzahl von Merkmalen untereinander.  Die Kriminalistik hat sich das zu Nutzen gemacht, lange bevor der englische Beamte in Kalkutta den ersten Fingerabdruck nutzte. Aber erst mit dem Daktyloskopieverfahren, so der wissenschaftliche Name der Lehre vom Fingerabdruck, wurden Straftäter wissenschaftlich sicher überführt. Die Erkenntnis, dass jeder Mensch einen unverwechselbaren, individuellen Fingerabdruck hat, macht Sie und mich in einer ganz speziellen Weise einzigartig. Der Gedanke der Geschichte, im Nabel den Fingerabdruck Gottes zu sehen, hebt diese Einzigartigkeit auf eine andere Stufe und hat gleichzeitig etwas ungemein Tröstliches und Hoffnungsvolles. Der Prophet Jesaja kleidet diese Erkenntnis in Worte, die er einem ganzen Volk zuruft:

Jetzt aber - so spricht der Herr, /

der dich geschaffen hat, Jakob, /

und der dich geformt hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich ausgelöst, /

ich habe dich beim Namen gerufen, /

du gehörst mir. (Jes43,1)

Heute, am 28 Juli, dem Geburtstag des Fingerabdrucks ergänze ich: „Ich habe dich mit meinen Fingerabdruck bezeichnet, du gehörst zu mir.“


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