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Pressedienst

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Donnerstag, 26. Juni 2008

Vermischtes
Marpingen: Das deutsche Lourdes?
Kirchenhistoriker hält Erscheinungen nicht für echt

Hält Erscheinungen in Marpingen nicht für echt: Der Trierer Kirchenhistoriker Professor Bernhard Schneider

Trier – Der Trierer Professor Bernhard Schneider hält die angeblichen Marienerscheinungen der Jahre 1876 und 1999 im saarländischen Marpingen nicht für echt. Das sagte der Kirchenhistoriker in seinem Vortrag „Das ‚deutsche Lourdes’: Marpingen 1876“, den er am Dienstag, 24. Juni im Rahmen einer Ringvorlesung zur „Welt des Wunderbaren: Lourdes, Marienerscheinungen, Wunder und die Kunst“ an der Trierer Universität hielt. Schneider war Mitglied der bischöflichen Kommission, die von 1999 bis 2005 die Ereignisse in Marpingen untersuchte.

„Strukturell gibt es große Übereinstimmungen zu den Erscheinungen in Lourdes, trotzdem gibt es gravierende Differenzen zwischen beiden“, urteilte Schneider. So seien zwar beide Orte, Lourdes und Marpingen, provinzielle und unbedeutende Dörfer gewesen und in beiden Fällen sei von einer weißen Dame die Rede gewesen, die in Lourdes einem Mädchen, in Marpingen drei jungen Mädchen erschienen sein soll. Doch anders als im Fall der Bernadette Soubirous hätten die Marpinger Geschehnisse starke Zweifel aufkommen lassen. So seien die angeblichen Wunderheilungen medizinisch nicht nachprüfbar gewesen, und die Marienerscheinungen seien nicht nur im Wald, sondern auch in Häusern und in der Schule, ja selbst in einem Uhrenkasten aufgetreten. Margaretha Kunz, eines der Mädchen, habe 1889 einer Ordensschwester gestanden, dass die angeblichen Erscheinungen eine Lüge gewesen seien. Offenbar hätten vor allem die Erwachsenen bei den Mädchen große Erwartungen geschürt. Der Widerruf der 1905 verstorbenen Frau und die zahlreichen Ungereimtheiten seien „Felsbrocken gegen die Etablierung eines deutschen Lourdes“ gewesen, sagte Schneider.

Der Kirchenhistoriker wies auf die besondere Zeit der ersten Geschehnisse in Marpingen hin. In den als rückständig angesehenen katholischen Regionen Preußens sei gerade während der Zeit des Kulturkampfes die Volksfrömmigkeit mit Wallfahrten und Marienverehrung aufgeblüht. Weil das Bistum Trier aber durch die Umstände – die preußische Regierung ließ den damaligen Bischof Matthias Eberhard verhaften und ins Gefängnis stecken – damals gelähmt gewesen sei, seien die Ereignisse damals nicht richtig untersucht worden. „Das Bistum zeigte sich sehr zaghaft in der Untersuchung der Vorkommnisse“, sagte Schneider. Auch der preußischen Staatsgewalt attestierte Schneider Versagen: So sei Militär gegen die tausenden Pilger und Schaulustigen eingesetzt worden und gegen die Beteiligten habe der Staat Strafverfahren wegen Betrugs eingeleitet, die aber alle mit Freisprüchen geendet hätten. „Das Handeln des repressiven Staates war Munition für das Zentrum, die Partei der Katholiken, im parlamentarischen Kampf gegen die Obrigkeiten.“

In der anschließenden Diskussion, bei der auch Anhänger der Echtheitstheorie der Marpinger Ereignisse das Wort ergriffen, erinnerte Schneider daran, dass der ehemalige Bischof von Trier und jetzige Erzbischof von München, Dr. Reinhard Marx, zwar in seinem Dekret vom Dezember 2005 geschrieben habe: „Es steht nicht fest, dass den Ereignissen in Marpingen aus den Jahren 1876 und 1999 ein übernatürlicher Charakter zukommt. Es bestehen schwerwiegende Gründe, die es nicht erlauben, sie als übernatürliches Geschehen anzuerkennen“. Doch solle der Ort Marpingen auch weiterhin ein besonderer Marienwallfahrtsort bleiben.




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