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Pressedienst

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Mittwoch, 17. Oktober 2007

Vermischtes
Armut lässt sich nicht nur mit Geschenkpäckchen bekämpfen
Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ kein Beitrag zu nachhaltiger Hilfe

Trier – Die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton", mit der viele Unternehmen, Kindergärten und Schulklassen Geschenkpäckchen an Kinder in ärmeren Ländern schicken, ist kein Beitrag zur nachhaltigen Entwicklungshilfe. Darauf weist der Geschäftsführer der Diözesanstelle Weltkirche im Bistum Trier, Ludwig Kuhn hin. Trotz der vielen Millionen Euro, die die Aktion koste, bewirke sie „keine nachhaltige Veränderung". Vor allem Kindern werde durch die Aktion suggeriert, dass sich Armut „einfach, nämlich mit einem Geschenkpäckchen" beheben lasse. Entwicklungsförderung brauche aber einen langen Atem, die Eigeninitiative der Menschen vor Ort und ein Bewusstsein dafür, dass auch wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen geändert werden müssten. Das könnten bereits Kinder durch entsprechende Projekte lernen, sagt Kuhn. Sinnvoller sei es, langfristig zu helfen. Möglichkeiten, nachhaltig zu helfen, bieten beispielsweise kirchliche Hilfswerke. Für die gut 35 Euro, die ein Spender nach Angaben der Organisatoren durchschnittlich für einen „Schuhkarton" mit Süßigkeiten und Spielsachen und dessen Transport aufwendet, kann zum Beispiel nach Angaben des Bischöflichen Hilfswerks Misereor einer jungen Frau in Äthiopien auch ein Startkredit zum Aufbau einer eigenen Existenz finanziert werden.

Darüber hinaus erkennt der Beauftragte des Bistums Trier für Weltanschauungsfragen, Matthias Neff, in einem mit den Schuhkarton-Weihnachtspäckchen verbreiteten Comic eine „ganz klar evangelikale Theologie". Neff sieht in einer Szene, in der ein Junge durch die Beschäftigung mit der Bibel eine Art Bekehrung erlebt, jenen Akt der Bekehrung und Lebensübergabe, wie er typisch sei für das evangelikale Glaubensverständnis. Träger der Aktion „Weihnachten im Schuhkarton" ist der Verein „Geschenke der Hoffnung", der sich selbst als evangelikal bezeichnet und der amerikanischen evangelikalen Organisationen nahe steht, von denen eine auch Lizenzgeber für die „Weihnachten im Schuhkarton"-Aktion ist, die in den USA „Christmas Child" heißt. „Weihnachten im Schuhkarton" werde für evangelikale Missionierung genutzt, betont Neff, dies sei aber vielen Spendern nicht bewusst. Trotz Gemeinsamkeiten dürften die Unterschiede zwischen evangelikalen und katholischen Glaubensauffassungen nicht übersehen werden, so die von vielen Evangelikalen vertretene Überzeugung, die Bibel sei „Wort für Wort von Gott diktiert". Die ökumenische Bewegung werde von Evangelikalen weitgehend abgelehnt, andere Christen oft abqualifiziert. Der evangelikale Absolutheitsanspruch stehe im Widerspruch zur katholischen Vorstellung vom allgemeinen Heilswillen Gottes.

Aus diesen Gründen empfiehlt das Referat Weltanschauungsfragen, dass die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton" in Einrichtungen des Bistums Trier nicht durchgeführt werden soll. Stattdessen sollten Projekte für Kinder der kirchlichen Hilfswerke oder im Rahmen der Bolivienpartnerschaft des Bistums Trier unterstützt werden.




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