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Finanzieren / Investieren

Finanzieren / Investieren


Finanzieren und investieren - Bischof Stephan Ackermann schreibt
 
Finanzieren und Investieren - Zeitschema zum Beschluss
 
Liebe Mitchristen im Bistum Trier, sehr geehrte Damen und Herren,

am 1. Juni 2010 hat Generalvikar Dr. Georg Holkenbrink in meinem Auftrag der Öffentlichkeit einen verbindlichen Entwurf zur Kostensenkung im Bistum Trier vorgelegt. Zugleich hatte er angekündigt, dass mit der Veröffentlichung des Entwurfs eine Phase der bistumsinternen Diskussion über die geplanten Maßnahmen beginnt. Mit der scheinbar widersprüchlichen Bezeichnung „verbindlicher Entwurf“ sollte deutlich gemacht werden, dass mit dem Entwurf die Art und konkrete Ausgestaltung der einzelnen Maßnahmen noch nicht definitiv festgelegt ist, jedoch die angezielte Summe der strukturellen Kostensenkung von 40 Millionen Euro nicht zur Disposition steht.

Die letzten Monate haben gezeigt, dass die Möglichkeiten zu Rückmeldung und Diskussion reichlich genutzt wurden. Es gab zahlreiche Beratungen in den diözesanen Gremien, Anhörungen von Betroffenen, Gespräche mit Einzelnen und Gruppen. Es erreichten uns viele Eingaben von Institutionen und Einzelpersonen, auch über die Grenzen unseres Bistums hinaus. Menschen schrieben uns persönliche Lebens- und Glaubenszeugnisse, es wurden in manchen Fällen durchaus überzeugende Argumente gegen die ins Auge gefassten Kostensenkungsmaßnahmen vorgebracht. Es fehlte auch nicht an Kritik und Protesten. Diese kamen verständlicherweise vor allem aus den Bereichen, die nach dem Entwurf von Schließungen betroffen sein sollten.

Zeitgleich haben der Generalvikar und seine Mitarbeiter die aktuelle Entwicklung der finanziellen Situation des Bistums im Auge behalten. Hier ergibt sich nun - knapp fünf Monate nach der Veröffentlichung des Kostensenkungsentwurfs - folgendes Bild: Das bei den Haushaltsplanungen erwartete Defizit für das Jahr 2009 fällt sichtlich geringer aus als von den Fachleuten prognostiziert. Für das Jahr 2010 dürfen wir ebenfalls ein geringeres Defizit erwarten, das aber nach wie vor aus den Rücklagen beglichen werden muss.

Wie Generalvikar Holkenbrink im Vorwort des Entwurfs versprochen hatte, wurden die in den Rückmeldungen vorgetragenen Argumente gründlich ausgewertet und bedacht. Zudem wurde die aktuelle Finanzsituation neu berücksichtigt.

Für den vorliegenden Beschluss bedeutet dies: Am längerfristigen Ziel einer dauerhaften Kostensenkung von 40 Millionen Euro verglichen mit den Jahresaufwendungen von 2009 wird festgehalten, weil
o die Kirchensteuereinnahmen weiterhin (auch aufgrund des demographischen Wandels) sinken werden;
o kurzfristig mit einem Einnahmenrückgang durch die Vielzahl der Kirchenaustritte zu rechnen ist;
o sich die Aufwendungen aufgrund steigender Personalkosten stetig erhöhen werden.

Der kontinuierliche Anstieg der Aufwendungen muss bei stagnierenden bzw. sinkenden Erträgen mittelfristig gebremst werden, um Haushaltsdefizite zu vermeiden. Zur Erreichung dieses Ziels war im Entwurf das Ende des Jahres 2014 anvisiert. Die neue Ausgangssituation erlaubt nun eine zeitliche Streckung über das Jahr 2014 hinaus. Die Kostensenkungsmaßnahmen werden daher unterteilt in Maßnahmen einer ersten Stufe, die bis spätestens Ende 2014 umzusetzen sind, und in Maßnahmen einer zweiten Stufe, die in weiteren Klärungsprozessen entwickelt werden und bis spätestens Ende 2016 abzuschließen sind.

Mit den Maßnahmen, die in diesen beiden Stufen ergriffen werden, werden 30 der 40 Millionen Euro des vorgesehenen Kostensenkungsvolumens erreicht. Die ausstehenden 10 Millionen Euro sind durch zusätzlich zu planende Maßnahmen nach dem Jahr 2016 zu erreichen. Sollte allerdings die wirtschaftliche Situation erkennen lassen, dass die Erträge früher stärker zurückgehen als angenommen, sind bereits vor dem Jahr 2016 weitere Kostensenkungsmaßnahmen zu ergreifen. Dazu wird das Bistum regelmäßig eine mittelfristige Finanz- und Ressourcenplanung durchführen.

Viele Stimmen haben das Aussetzen des Kostensenkungsprozesses verlangt, weil dem vorgelegten Entwurf eine Priorisierung der verschiedenen kirchlichen Einsatzfelder zugrunde liege, die nicht nachzuvollziehen sei. Es fehle eine plausible, umfassende pastorale Konzeption. Aus diesem Grund wurde hier und da sogar ein umfassender pastoraler Diskussionsprozess gefordert, an dessen Ende erst ein entsprechender Finanzplan für die Diözese stehen könne. Ich gebe zu, dass sich dieser Einwand nicht einfach von der Hand weisen lässt. Er verkennt aber zum einen, dass wir in unserem Bistum weder pastoral noch wirtschaftlich an einem Punkt stehen, von dem aus wir völlig neu beginnen könnten und müssten. Zum anderen mahnt uns ein nüchterner Blick auf die Situation, den Zeitfaktor nach wie vor aufmerksam im Blick zu behalten und uns nicht in unüberblickbare Grundsatzdiskussionen zu begeben. Ich erinnere nur an die Projekte, die wir uns für die nächsten Jahre bereits vorgenommen haben. Sie werden viele Kräfte in Anspruch nehmen: die konkrete Umsetzung des Projekts 2020 in unseren Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften, die Errichtung der Kirchengemeindeverbände, die im kommenden Jahr anstehenden Pfarrgemeinde- und Verwaltungsratswahlen sowie die Vorbereitung und Feier der großen Heilig-Rock-Wallfahrt im Jahr 2012.

Wenn also nach meiner Überzeugung momentan für unser Bistum nicht der rechte Zeitpunkt ist, um in einen fundamentalen und ganz breit angelegten Diskussions- und Planungsprozess einzutreten, so sehe ich doch vor dem Hintergrund der schwieriger werdenden äußeren Rahmenbedingungen, in die wir hineingestellt sind, sowie der Diskussionen, die durch den Kostensenkungsentwurf entfacht worden sind, eine wirkliche Chance. Sie besteht darin, über bestimmte, klar umrissene Themenfelder unseres kirchlichen Engagements im Bistum Trier ins Gespräch zu kommen und Klärungsprozesse (inhaltlicher, strategischer und struktureller Art) in Gang zu setzen. An erster Stelle gehört für mich dazu das Feld kirchlicher Bildungsarbeit, wobei ich vor allem an die außerschulische Bildung denke. Die Diskussionen der vergangenen Monate haben gezeigt, dass es in diesem Bereich einer gründlichen Vergewisserung und strategischen Neuausrichtung bedarf, wenn er sowohl inhaltlich als auch finanziell zukunftstauglich sein soll. Ich denke aber auch an den Bereich der Jugendverbandsarbeit in unserem Bistum sowie an die Entwicklung eines Immobilienkonzeptes, das den Gegebenheiten der künftigen pastoralen Räume Rechung tragen muss.

Liebe Mitchristen,
aus den Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils kennen wir die Rede von den „Zeichen der Zeit“. Damit wollten die Konzilsväter deutlich machen, dass Gottes Anruf uns nicht nur durch das Wort der Heiligen Schrift entgegentritt, sondern auch aus einem gläubig-wachen Hören auf die jeweiligen Zeitumstände (vgl. Nr. 4 der Pastoralkonstitution), in die wir als Christen gestellt sind. „Zeichen der Zeit“ können hoffnungsvolle und ermutigende Entwicklungen sein, die sich in einer Gesellschaft vollziehen. Doch auch bedrängende Situationen können zeichenhaften Charakter tragen, um zu einem vertieften Verständnis der Botschaft Jesu zu gelangen. In diesem Sinn bin ich der festen Überzeugung, dass in den Veränderungen und Anfragen, denen wir uns in der aktuellen Kirchenstunde zu stellen haben, der befreiende, es gut mit uns meinende, aber auch herausfordernde Anruf Gottes verborgen ist. Helfen wir uns gegenseitig dabei, ihn zu hören.

Meinem Generalvikar, den Mitgliedern der Leitungskonferenz und allen, die sich in besonderer Weise bei der Erstellung des vorliegenden Beschlusses engagiert haben, gilt mein herzlicher Dank. Für die Verwirklichung der anstehenden Prozesse wünsche ich Gottes spürbaren Segen!

Trier, im Oktober 2010

Dr. Stephan Ackermann
Bischof von Trier



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