Hl. Margarethe


Heilige Margareta

 

Das kleine Gemälde, das zusammen mit dem originalen Rahmen aus einem einzigen Brett gearbeitet ist, zeigt im Vordergrund die heilige Margareta, während im Hintergrund sechs kleine Szenen ihres Martyriums dargestellt sind. Margareta war die Tochter eines heidnischen Priesters im kleinasiatischen Antiochia. Nachdem sie sich zum Christentum bekehrt hatte, wurde sie vom Präfekten Olibrius, der ihre Liebe forderte, ins Gefängnis geworfen und gefoltert. Rechts im Hintergrund wird gezeigt, wie Margareta mit eisernen Hacken verwundet, gefesselt, mit Fackeln verbrannt und in ein eiskaltes Bad geworfen wurde. Letztendlich wurde sie enthauptet.

Die Hauptdarstellung zeigt die Märtyrerin lesend auf einem Drachen stehen. Nach einer apokryphen Variante der Legende wurde Margareta im Gefängnis vom Teufel besucht und von ihm in Gestalt eines Drachen verschlungen. Im Magen des Drachen schlug Margareta das Kreuzzeichen, worauf der Drachen zerbarst. Diese bis zum Ende des Mittelalters beliebte Szene der „triumphierenden Geburt“ machte Margareta zur Schutzheiligen der schwangeren Frauen.

Ursprünglich wurde das Gemälde einer süddeutschen oder kölnischen Werkstatt zugeschrieben; nach einer Restaurierung im Jahre 1979, die dem Bild sein ursprüngliches Aussehen wiedergab, ist allerdings eher an einen flämischen Meister zu denken. Die Gewandung der Margareta mit einem roten Unterkleid, einem blauem Mantel und einem Diadem im Haar, die Architekturformen und die Plazierung der Martyriumsszenen im Hintergrund sind vor allem in der flämischen Malerei des 15. Jahrhunderts zu finden. Die Zuschreibung an einen bestimmten Meister muß noch offenbleiben, obwohl der Fingergestus der Margareta, der mit dem Segensgestus Christi übereinstimmt, vielleicht ein Hinweis sein könnte. Auch die Profilierung des Rahmens und das Eichenholz als Träger der Malerei sind Hinweise, die eine vorläufige Lokalisierung des Gemäldes in Flandern zulassen.

(Martijn Pieters)

 

Anonymer flämischen Meister

um 1500

Öl auf Eichenholz

53 x 40,5 cm

Inv. M 31