"Ein Berufungs-Erlebnis, das ich immer noch nicht erklären kann".

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"Ein Berufungs-Erlebnis, das ich immer noch nicht erklären kann"
Ulrich von Plettenberg - Religions-Lehrer und Schulseelsorger in Hargesheim

bistum-trier.de: Portraits im Priester-Jahr 2009/2010
 
Ulrich von Plettenberg vor der Alfred Delp-Plakette an seiner Schule
 
„Ich habe Kontakt mit den vielfältigsten Menschen, es wird niemals langweilig.“ Das antwortet Ulrich Graf von Plettenberg auf die Frage, was er an seiner Arbeit am besten findet. Seine Arbeit, das ist zum einen die Tätigkeit als Schulpfarrer an der Alfred-Delp-Schule in Hargesheim, einer bischöflichen kooperativen Gesamtschule in Trägerschaft des Bistums Trier, und zum anderen die Unterstützung des Seelsorge-Teams in der Bad Kreuznacher Pfarrei Heilig Kreuz als Kooperator. „Man kann nicht mit Formeln an Menschen herangehen, das empfinde ich als wunderbar“, erklärt Plettenberg mit Blick auf seine bisherigen Erfahrungen.
  • Religions-Lehrer und Schul-Seelsorger
Seit fünfeinhalb Jahren ist der gebürtige Idar-Obersteiner in der Schule tätig, mit Religionsunterricht und spirituellen Angeboten für Schüler, Lehrer und Eltern. Die Klassenstufen 7 bis 13 unterrichtet er, im Schwerpunkt im gymnasialen Zweig, aber auch eine Klasse der Real- und eine der Hauptschule. In seinem Alltag als Schulpfarrer beschäftigt er sich natürlich mit den Schulgottesdiensten, „meistens ökumenisch“, er ist aber auch in der von der Schule angebotenen Ferienfreizeit aktiv und bringt sich in der Bolivienpartnerschaft der Schule ein. Für die seelsorglichen Gespräche mit Schülern oder Eltern gebe es keine festen Termine, die Nachfrage sei unregelmäßig und von verschiedenen Faktoren abhängig, sagt Plettenberg. Die Themen sind vielfältig: Krankheit, Tod, Konflikte in der Klasse zwischen Starken und Schwachen bis hin zu Mobbing, auch Dinge, die die jungen Leute bei anderen beobachten. „Vieles kann ich natürlich im Unterricht aufarbeiten“, darin sieht der Schulpfarrer einen Vorteil seiner Arbeit.

So will er auch das „Jahr des Priesters“, das Papst Benedikt ausgerufen hat, thematisieren. Denn neugieriges Interesse am Priesterberuf gebe es auch bei Schülerinnen und Schülern einer bischöflichen Schule: „Ich werde gefragt, wie es kommt, dass ich Priester bin, oder was ich ihnen zum Zölibat oder zum Frauenpriestertum sagen kann.“ Dabei ist es Plettenberg wichtig, „den Priester nicht als Star der Kirche oder in einer herausragenden Rolle darzustellen“. Die Chance des Priesterjahres könne es sein, das Priestertum als abwechslungsreichen und frohmachenden Dienst zum Wohl der Menschen in den Blick der Öffentlichkeit zu rücken. Plettenberg will auch die Kooperation mit den Pfarreien im Umfeld fördern. Daher ist er etwa Initiator von gemeinsamen Aktionen wie der „Nacht der offenen Kirchen“, die 2010 zum zweiten Mal in Bad Kreuznach stattfinden soll. „Die Frage, wie zukünftig etwa mit Ganztagsschulen die kirchliche Jugendarbeit aussehen wird, beschäftigt mich.“
  • BWL und Sprachen studieren, Familie gründen...
1964 als sechstes von acht Kindern geboren, machte Plettenberg seine ersten „kirchlichen“ Schritte als Messdiener in St. Peter und Paul Idar-Oberstein, war Aushilfsorganist und in der Jugendarbeit aktiv. Er sei geprägt von der Diasporasituation im mehrheitlich evangelischen Birkenfelder Raum, erzählt Plettenberg. Im Gegensatz dazu stand die starke Katholizität des Elternhauses und in der Erziehung. „Das hat mich in manche Spannung gebracht“, erinnert Plettenberg sich, „wenn da sonntags die ganze Familie Plettenberg zum Gottesdienst marschiert ist, ist das im Ort schon aufgefallen.“ In der Schulzeit oder nach dem Abitur habe er aber keineswegs daran gedacht, Priester zu werden, gibt Plettenberg zu. „Meine Vorstellung war, dass ich Betriebswirtschaftslehre studiere, noch eine Sprache lerne, vielleicht russisch oder arabisch, und eine Familie gründe.“ Er verpflichtete sich für zwei Jahre bei der Bundeswehr: „Da bin ich zum ersten Mal der ganze Breite an Menschen begegnet, vom Knastbruder bis zum Diplomkaufmann“. Plettenberg wurde Gruppenführer, übernahm Verantwortung für andere. „Die Erfahrung, wie viele verschiedenartige Menschen es gibt, hat meinen Blick geweitet.“
  • Berufung wie aus heiterem Himmel
Plettenberg im Meditations-RaumSein „Berufungserlebnis, das ich nicht erklären kann“, sei überraschend gekommen: Bei einem Wienbesuch mit einem seiner Brüder habe er in einer Kirche gesessen, als ihm im wahrsten Sinne aus heiterem Himmel der Gedanke kam: „Warum hast du noch nie daran gedacht, Priester zu werden?“ Der Gedanke habe sich festgesetzt, ließ sich nicht verdrängen.

1985 begann er sein Theologie-Studium in Trier, ab 1987 hatte er die Gelegenheit, in Rom zu studieren und zu leben. Ein prägendes Element in seinem Leben, sagt der Schulpfarrer: „Ich bin eigentlich kein Großstadtmensch und habe von meinen Eltern die Liebe zur Natur mitbekommen, aber in Rom habe ich ein Gefühl von Heimat, die Stadt ist ein Teil von mir geworden.“ Da wundert es nicht, dass der Theologiestudent nach dem Diakonatsjahr und der Priesterweihe 1991 in Rom durch den damaligen Paderborner Erzbischof Joachim Degenhardt zwei weitere Jahre zum Dogmatikstudium in der „Ewigen Stadt“ verbrachte.

 
Ulrich von Plettenberg an der Schule in Hargesheim (Fotos: Judith Rupp - BiP)
 
  • Überraschung: Zum Bischofskaplan berufen
Für seine Kaplanszeit von 1993 bis 1996 in Trier-Irsch und Olewig sei er aber gerne zurückgekommen, betont Plettenberg. Und dann kam 1996 der Anruf vom damaligen Trierer Bischof Hermann Josef Spital, der den jungen Priester bat, sein Bischofskaplan und Sekretär zu werden. „Da war ich im Zwiespalt, ich habe gerne in der Pastoral gearbeitet, andererseits war die Anfrage schmeichelhaft und ehrte mich“. Und natürlich sei es eine interessante Tätigkeit gewesen, die es ermöglichte, das Bistum aus einer anderen Perspektive kennen zu lernen. „Sehen Sie es als Ausbildungsschritt“, habe Spital ihm geraten. Sechs aufregende Jahre seien es gewesen, mit Höhepunkten im positiven wie im negativen Sinn, erklärt Plettenberg und nennt das Jubiläumsjahr 2000 mit der Rundreise durch alle Dekanate, seinen ersten Kontakt mit Bolivien, aber auch die Dörfert-Affäre oder den Konflikt um die Schwangerenkonfliktberatung. Viel Verwaltungsarbeit habe die Tätigkeit bedeutet, „es war eine Herausforderung, das Priestersein in den Job zu integrieren.“ Seelsorge fand für den Bischofskaplan eher punktuell statt. Aber Plettenberg war gleichzeitig auch zum Diözesanseelsorger für die Malteserjugend ernannt worden, „das war mein Glück.“ Intellektuell forderte ihn in dieser Zeit die Erstellung einer theologischen Promotion. Rückblickend sieht Plettenberg diese Jahre als die schwierigste Phase in seinem Priesterleben: „Man lernt eine andere Seite des Priesterseins kennen. Für mich war wichtig, das eigene geistliche Leben zu stärken und mir des Priesterseins bewusster zu werden.“
  • Rom als Hobby...
Entspannung findet Plettenberg beim Fußball oder Doppelkopfspielen, beim Kochen oder Wandern – und „Rom ist und bleibt ein Hobby“. Auf seine ursprüngliche Lebensplanung angesprochen, sagt er, er könne sich mittlerweile nicht mehr vorstellen, eine eigene Familie zu haben. Er wisse die Ungebundenheit zu schätzen, die ihm den Freiraum für seine Aufgaben lasse. „Halt und Orientierung in meiner Gottesbeziehung ist an die Stelle einer Familie getreten.“ Und abgesehen davon: „Ich habe doch eine Familie, wenn auch teilweise weit verstreut: meine Eltern, meine Geschwister und meine 18 Nichten und Neffen!“
[Judith Rupp]
 



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