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Predigt

„Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf
das Irdische!“ Der Satz aus dem Kolosserbrief des hl. Paulus in der Lesung des
heutigen Ostersonntags scheint eigentlich heutigen Menschen kaum verstehbar,
ja, er hört sich an wie eine weltfremde Provokation. Die moderne Zeit hat ja seit
vielen Jahrzehnten genau den gegenteiligen Ruf vernommen und mit Begeisterung
akzeptiert. „Wir wollen hier auf Erden schon das Himmelreich errichten … Den
Himmel überlassen wir den Engeln und den Spatzen“, so Heinrich Heine in seinem
großen Gedichtzyklus „Deutschland, ein Wintermärchen“. Diese Botschaft ist
mittlerweile wohl für die meisten Menschen, vielleicht auch für viele Christen,
die beherrschende Lebensperspektive. Leben bezieht sich auf diese irdische
Existenz, Leben heißt, mit beiden Beinen auf dieser Erde stehen, „den Himmel
überlasen wir den Engeln und den Spatzen“.
Die österliche Botschaft sagt nicht einfach das
Gegenteil, aber sie erweitert den Horizont. Dieses irdische Leben bekommt erst
Tiefe, Qualität und Würde, wenn es den Himmel gibt, wenn Gott existiert und
mein Leben ganz in ihm geborgen ist. Das Leben ohne den Blick auf das
Himmlische führt eben nicht, wie manche – auch Heine – gemeint haben, zur Fülle,
zum unzerstörbaren Glück, zur nachhaltigen Freude, sondern ist ein anstrengender
Kampf gegen den Tod, den Lebensvernichter. Das volle Leben wird erst möglich,
wenn Himmel und Erde verbunden sind. Aber die Priorität hat dann der Himmel,
das unzerstörbare Leben, Gott, der Schöpfer und Erlöser, ohne den das Leben
kein Woher und Wohin hat. Von Ostern her, dem Fest der Auferstehung Jesu, des
Sohnes Gottes, ist unser Leben in einen Glanz getaucht, der wunderbar ist, der
uns staunen lässt. Ja, wir können sagen: Ohne den Blick in den österlichen
Himmel gibt es auch keine wirkliche irdische Kultur, die ohne das, was wir
Transzendenz nennen, ja gar nicht denkbar ist.
Auch Europa verliert ohne diesen Blick in den Himmel nicht nur den Glauben, sondern seine kulturellen Grundlagen. Menschliche Kultur entsteht ja dann, wenn der Blick über das Irdische, Sichtbare und Materielle hinausgeht, wenn Transzendenz gewagt wird. Nur dann können sich Kunst, Musik, Literatur, Denken, Geist und Leben entwickeln. Der Glaube an den auferstandenen Jesus Christus ist eine wesentliche Grundlage unserer Kultur. Wenn er fehlt, fällt etwas aus, was nicht ersetzt werden kann. Das spüren mittlerweile immer mehr Menschen. Deshalb ist der österliche Blick in den Himmel für uns alle überlebensnotwendig. Deshalb ist Europa, wenn es Gott und den Glauben aus seiner Verfassung ausklammern will, zutiefst mutlos.
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