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Pressedienst

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Montag, 10. März 2008

Politik / Gesellschaft
„Angst und Vertrauen“
Ökumenischer Gottesdienst nach den Erdbeben – Gespräche mit den Betroffenen

Saarlouis – „Angst und Vertrauen“ – Unter dieser programmatischen Überschrift hatten die Evangelische Kirche im Rheinland und die Katholische Kirche im Bistum Trier für den 9. März zu einem ökumenischen Bittgottesdienst eingeladen. Rund 800 Menschen, Bergbaubetroffene und Bergleute mit Familien füllten die Saarlouiser Kirche St. Ludwig zum Gottesdienst mit Diözesanadministrator Bischof Robert Brahm und dem Präses Nikolaus Schneider. Unter den Gottesdienstteilnehmern waren auch Ministerpräsident Peter Müller, die Minister Klaus Meiser und Joachim Rippel sowie der Vorsitzende der SPD Saar Heiko Maas.

In seiner Begrüßung machte Diözesanadministrator Brahm deutlich, um was es den beiden Kirchen in der aktuellen Krise um den Bergbau nach den Erdbeben vom 23. Februar geht: „In der Kirche haben wir uns versammelt, zum Gebet, um zu zeigen, dass uns die Ereignisse der letzten Woche nicht kalt lassen, um einander zu trösten und um Gottes Trost und Kraft zu erbitten“. Betroffen seien alle, „jeder auf seine Weise“, sagte Brahm. Die Bergleute und mit ihnen diejenigen deren Arbeitsplatz vom Bergbau abhängt, hätten Sorge um ihre wirtschaftliche Existenz und Angst um ihre Familie. Die von den Bergbausschäden Betroffenen hätten Angst: ihre eigenen Häuser seien ihnen zur Gefahr für Leib und Leben geworden und sie müssten mit teilweise erheblichen materiellen Schäden umgehen. Betroffene seien auch die am Bergbau beteiligten Unternehmen, die politisch Verantwortlichen, die bei gegensätzlichen Erwartungen und Forderungen schwierige Entscheidungen zu treffen und zu verantworten hätten. Auch Journalisten hätten Verantwortung zu tragen: durch die Art ihrer Berichterstattung könnten sie die gesellschaftliche Auseinandersetzung und ihren Ausgang mitprägen. Brahm lud alle ein, die ganz unterschiedlichen Sorgen und Ängste gemeinsam vor Gott zu tragen. „Wir dürfen darauf vertrauen, dass unsere Nachbarn genau so ehrlich vor Gott stehen wie wir selbst. Das wäre eine erste Basis um uns über die nötigen Schritte nach dem Gottesdienst weiter austauschen zu können. Neues Grundvertrauen gegen Angst. Angst braucht Vertrauen. Sonst versinken wir in ihr“, sagte Brahm. Gott rufe zur Nächstenliebe. Das bedeute, den Nächsten zu lieben, „der mit seiner ganz anderen Überzeugung neben dir steht“. Das sei keine politische Forderung, sondern eine klare menschliche Herausforderung, „wenn wir Gott wirklich ernst nehmen“. „Es kann nicht sein, dass Christen, die zu demselben Gott gehören und in demselben Bundesland leben, einander meiden, sich aus dem Weg gehen, den anderen beschimpfen und bekämpfen – nur weil der eine in die Grube einfährt und der andere Risse in seinem Haus zu beklagen hat“, sagte Brahm und bat um das gemeinsame Gebet, um die Kraft, die Herausforderungen „als Christen gemeinsam und im gegenseitigen Respekt“ zu bewältigen.

Präses Schneider betonte in seiner Predigt, dass der Gottesdienst nicht die Frage nach der Fortführung oder den sofortigen Stopp des Bergbaus in der Region beantworten könne. Das solle im Rahmen der Vereinbarungen zwischen der Landesregierung und der Deutschen Steinkohle (DSK), „nüchtern, sachlich und fair“ geklärt werden. „Aber es gibt andere Fragen, auf deren Beantwortung wir heute Einfluss nehmen können. Und das sind die elementaren Fragen nach dem zukünftigen Zusammenleben der Menschen in diesem Land, die Fragen nach der Achtung der Würde des anderen, die Frage der Selbstachtung und der Zuverlässigkeit von gegebenen Worten“, sagte Schneider. Von dem gemeinsamen Gottesdienst sollten Signale ausgehen. „Angst, Sorgen und Wut dürften sich nicht in Hass und Gewalt entladen. Unversöhnlichkeit in der Sache darf nicht zu Verunglimpfungen und Maßlosigkeit beim Einsatz für die eigene Sache führen“, sagte der Präses. Die Formen des Protestes müssten die Würde und Privatsphäre des anderen achten. Familienangehörige, „vor allem Kinder und Jugendliche“, dürften nicht in den Streit hineingezogen, aufgehetzt oder zu Zielen von Hass und Gewalt werden.

Nach dem Gottesdienst trafen sich Diözesanadministrator Brahm, Präses Schneider und weitere Kirchenvertreter zunächst mit Bergbaubetroffenen zu einem Gespräch. Danach trafen sich die Delegierten der beiden Kirchen mit Bergleuten und DSK-Vertretern und nahmen gemeinsam an der „Mettenschicht“ teil, zu der sich etwa 6000 Bergleute mit ihren Familien im Bergwerk Ensdorf versammelt hatten. „Es ist uns wichtig, zu hören, welche Sorgen die Menschen haben“, sagte Diözesanadministrator Brahm: „Wir müssen als Kirche in den Gemeinden versuchen, ein neues Bewusstsein zu schaffen und Aufmerksamkeit dafür, dass die Menschen neu zusammenfinden, um in Ruhe, mit Gelassenheit und in Frieden diese Zeit zu gestalten“.




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