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Pressedienst

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Dienstag, 16. August 2011

Vermischtes
Einzigartige Inhalte, aber realitätsferne Kommunikation
Journalist und Theologe kritisiert kirchliche Kommunikation

Trier – Ein schlechtes Zeugnis hat der Journalist und Theologe Ludger Verst der kirchlichen Kommunikation gegeben. Am Rande der Tagung der Katholischen Akademie Trier „Von der Botschaft zur Kundschaft – Religiöse Kommunikation in heutiger Zeit“ bemängelte Verst vor allem die „Realitätsferne“ kirchlicher Kommunikation. In der Verkündigung lasse sich die Kirche zu wenig auf das Leben der Menschen mit seinen Licht- und Schattenseiten ein. Dies führe dazu, dass viele Menschen nicht erreicht würden. Und das, obwohl die Inhalte der Kirche „einzigartig“ seien.

Der christliche Glaube brauche „Inhalte, Gefühle und Gesten“, die gezeigt und erwidert würden: „Eine Atmosphäre, die einladend ist, weil ein guter Geist im Spiel ist.“ Wichtig wäre nach Ansicht von Verst eine authentische und echte Kommunikation. Tatsächlich werde aber die Mehrheit der sozialen Milieus von der Kirche nicht nur nicht erreicht, sondern nicht einmal mehr angesprochen. Verst warnte die Kirche davor, bestimmte Milieus aufzugeben. „Das hieße ja, dass sie sich mit ihrem Sendungsauftrag auf die Traditionsverwurzelten, die Konservativen und einen Teil der Bürgerlichen Mitte beschränken würde.“ Die Botschaft der Kirche sei aber universal. „Also muss sie für alle Geschmacks- und Life-Style-Gruppen etwas im Angebot haben. Sie müsste im übertragenen Sinn Läden wie Aldi, Lidl oder den Penny-Markt eröffnen und ganz einfache, preiswerte, aber dafür ja nicht weniger lebens- und liebenswerte Angebote machen. Solche (Kirchen-) Läden wären voll, wenn sich die Einkaufszeit lohnen und es sich für die Kunden wirklich rechnen würde“, sagte Verst. In der Realität kauften Kirchenvertreter aber „ungern bei Lidl oder Takko ein“. So ging aber der Großteil der Bevölkerung an ihnen „ungesehen und ungehört“ vorbei. Das sei nicht nur kontraproduktiv, sondern auch unsozial, bemängelte Verst.

Er appellierte an kirchliche Entscheider, auch mehr hinzuhören auf das, was und wie über die Kirche gesprochen werde. Und: das Gehörte müsse dann auch Folgen haben. Oft habe man in den letzten dreißig Jahren über Dialog und Dialogorientierung in der Kirche diskutiert. „Alles ist gesagt, aber erstaunlich wenig ist erreicht worden“, kritisierte Verst. Die Folge sei, dass das Image der Kirche schlecht sei, nur wenige junge Menschen suchten bei ihr noch Beratung oder Begleitung in persönlichen Anliegen. „Die Kirche ist für sie eine museale Besonderheit für ältere Liebhaber.“

Dass die Kirche junge Menschen und bestimmte Milieus kaum mehr erreiche, sei aber nicht nur ein Sprachproblem. „In der Ausbildung der Theologen wird bereits vieles unternommen, um kirchliche Binnensprache zu vermeiden und populärer rüberzukommen“, räumte Verst ein. Wichtig sei aber, dass der Glaube ein Gesicht habe. Bei der Glaubenskommunikation gehe es um „situative Wachheit, um Einfühlung, Emotionalität.“ „Religiöse Bedeutung ist nicht etwas, was hinter oder tief in den Sätzen einer Sprache steckt, sondern etwas, was sich ereignet, wenn unterschiedliche Erfahrungen aufeinanderstoßen, Fernliegendes nahekommt, Texte in Kontexte geraten und so neu Bedeutung erlangen“, sagte Verst.




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