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Kunstwerk des Monats

An dieser Stelle präsentieren wir Ihnen im monatlichen Wechsel
jeweils ein Objekt aus unserer Sammlung.



Rekonstruktion der Monumentalsäule (F: R. Schneider)

Monumentalsäulen aus dem Trierer Dom

 

Zu den herausragenden Denkmälern spätantiker, imperialer Architektur gehört der so genannte Quadratbau des Trierer Domes, der heute noch den Kernbau der Domkirche darstellt. In diesem, in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts im Bereich der Nordostbasilika der frühchristlichen Kirchenanlage errichteten Bau standen einst an den Ecken des Mittelpodestes vier ca. 12 m hohe monolithe Granitsäulen auf weißen attischen Marmorbasen. Über ihren Marmorkapitellen erhob sich eine komplizierte Schwibbogenkonstruktion.

 

In der spätrömischen Architektur stellt dieser „Quadratbau“ der frühchristlichen Bischofskirche Triers eine Besonderheit dar. Schon die aus einem Stück gearbeiteten Granitsäulen lassen vermuten, dass dieser Bau nur mit kaiserlicher Unterstützung errichtet werden konnte, denn es bedurfte der Spezialisten, die in der Lage waren, solche etwa 60 Tonnen schweren Werkstücke aus hartem Granit herzustellen, zu transportieren und aufzurichten. Materialvergleiche zeigen, dass die Trierer Säulen aus dem so genannten „Felsenmeer“ bei Reichenbach im Odenwald stammen, dort, wo für die spätrömische Zeit eine rege Steinbruchtätigkeit nachgewiesen ist; dort liegen noch heute im Gelände des Naturparks Bergstraße-Odenwald unfertige Werkstücke. Auch die korinthischen, aus drei Stücken gearbeiteten Marmorkapitelle stammen aus dieser Gegend, wo sich in Auerbach, nicht weit vom „Felsenmeer“ entfernt, Marmorbrüche befanden.

 

Zunächst mussten die Werkstücke über Land aus dem Steinbruch bis zur römischen Verladestelle am Rhein (bei Gernsheim) transportiert und auf große Flöße verladen werden. Nur bei entsprechendem Wasserstand waren die Schwerlasten 350 Flusskilometer über Rhein und Mosel bis nach Trier zu transportieren. Auch an der Baustelle bedurfte es erfahrener Bauleute, um die Säulenschäfte aufzurichten und auf ihre Marmorbasen zu stellen. Die Zerstörungen der Kirchenanlage in der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts brachten auch die Säulen und die Schwibbogenkonstruktion des Quadratbaues zum Einsturz. Ein 1623 bei Anlage des Allerheiligenaltares und der Grabgruft für den Erzbischof und Kurfürsten Lothar von Metternich aufgefundenes großes Fragment der ehemaligen südwestlichen Säule wurde damals vor das Südwestportal des Domes transportiert und liegt – als „Domstein“ bekannt – noch heute dort. Im Museum am Dom sind Originalfragmente der Marmorkapitelle und der Säulen ausgestellt sowie eine Rekonstruktion eines Teils einer Säule mit Kapitell und Kämpfer errichtet (s. Abb.), die die Monumentalität erahnen lässt; eine weitere Säulenrekonstruktion findet sich im kleinen Hof zwischen Dom und Liebfrauenkirche.

(Winfried Weber)

 

 

Trier, Dom, „Quadratbau“

2. Hälfte 4. Jahrh.

Granit (Melaquarzdiorit), Marmor




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