Basis-Navigation

Breadcrumb

Hauptinhalt

Kunstwerk des Monats

An dieser Stelle präsentieren wir Ihnen im monatlichen Wechsel
jeweils ein Objekt aus unserer Sammlung.



Alfred Hrdlicka, Hommage à Pasolini (Leihgabe aus Privatbesitz)


„Hommage à Pasolini“

 

 

Als einen Torso ohne Arme und Beine stellt uns Alfred Hrdlicka den italienischen Schriftsteller und Filmregisseur Pier Paolo Pasolini (1922-1975) vor Augen. Eine Schulter ist hochgerissen, die andere scheint zur Seite zu weisen. Der Kopf ist leicht nach hinten und zur Seite geneigt. Hrdlicka zitiert mit dieser Haltung eine der berühmtesten Skulpturen der Kunstgeschichte: die Laokoon-Gruppe in den Vatikanischen Museen in Rom. Das Motiv des im Todeskampf sich aufbäumenden Laokoon wurde in unzähligen Kunstwerken nachgeahmt und abgewandelt und schließlich auch von Michelangelo für die Darstellung des sterbenden Christus am Kreuz umgedeutet.

Pasolini, der sich früh zu seiner Homosexualität bekannt hatte, aber auch zeitlebens darunter litt, wurde 1975 am Strand von Ostia ermordet aufgefunden. Er war mehrfach mit einem Auto überfahren worden; die Umstände der Tat sind bis heute nicht eindeutig aufgeklärt. Hrdlicka widmete ihm und seinem gewaltsamen Ende eine ganze Reihe von Werken. Beide Künstler verband nach Hrdlickas Aussage eine Seelenverwandtschaft.

Schaut man sich die Skulptur genauer an, so erkennt man die Gesichtszüge Pasolinis, aber auch eine Dornenkrone und eine Seitenwunde. Wie kommt Hrdlicka dazu, Pasolini im ikonographischen Typus eines Schmerzensmannes darzustellen?

Zum einen sieht er in Pasolini den an seiner Sexualität Leidenden und schließlich zu Unrecht brutal Ermordeten; zum anderen hatte Pasolini sich anlässlich seines Filmes „Il vangelo secondo Matteo“ (Das erste Evangelium) aus dem Jahre 1964 intensiv mit der Person Jesu beschäftigt und zahlreiche Entsprechungen zwischen Jesus und seiner Person konstatiert. Hrdlicka griff diese Äußerungen auf und stellte Pasolini nicht nur in Anlehnung an die „Pathosformel“ des sterbenden Laokoon, sondern gleichzeitig als christlichen Schmerzensmann dar.

Auch Hrdlicka – er war wie Pasolini bekennender Atheist - war von der Gestalt des Jesus von Nazareth fasziniert und sah in ihm einen besonderen, maßgebenden Menschen, jedoch nicht den Sohn Gottes. Als Mensch erlitt er seiner Meinung nach beispielhaft Unrecht und Gewalt und wurde wie Pasolini ein Opfer der politischen Reaktion. Für Hrdlicka wird Christus so zum Bruder aller Menschen, die Gewalt und Unrecht erleiden müssen. Im Antlitz jedes Leidenden erkennen wir das Antlitz Christi.

M. Groß-Morgen

 

 

Alfred Hrdlicka (1928-2009)

Bronzeguss nach Marmorskulptur von1983

H 146 cm

Leihgabe aus Privatbesitz

 


 




Browser-Navigation


Haupt-Navigation 419




Diese Seite erreichen Sie unter: https://www.bistum-trier.de/goto/?11175