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Kunstwerk des Monats

An dieser Stelle präsentieren wir Ihnen im monatlichen Wechsel
jeweils ein Objekt aus unserer Sammlung.



Sophia-Ikone



Sophia, die göttliche Weisheit

 


Einem Betrachter aus dem westkirchlich-abendländischen Kulturkreis dürfte die Ikone der „Göttlichen Weisheit“ (griech. sophia = Weisheit) beim ersten Anblick faszinierend, in Teilen sich erschließend, ansonsten aber befremdlich, ja geheimnisvoll erscheinen. In der Mitte thront, ausgestattet mit Insignien des Kaisers wie auch des Hohen Priesters, die „Göttliche Weisheit“ durch das rotfeurige Antlitz und die gleichfarbigen Flügel ausgewiesen als der göttlichen Lichtwesenheit teilhaftig. Von ihr sagt das Alte Testament: „Der Herr hat mich geschaffen am Anfang seiner Wege, vor seinen (Schöpfer-) Werken in der Urzeit“. „Die Weisheit hat ihr Haus erbaut, ihre sieben Säulen behauen“. (Sie stützen hier den Thron.) Sie, die bei der Schöpfung bereits bei Gott war, durchwaltet die (sie umgebenden) Sphären und die Materie (zu ihren Füßen) mit Sinn und Ordnung (ideale Form des Kreises), sie durchdringend mit Strahlen des göttlichen Lichts. - Damit entspricht die so gesehene „Sophia“ also ideell nahezu völlig dem göttlichen Logos (griech. logos = Wort, Sinn, Ordnung), der mit der Menschwerdung des Sohnes (über ihrem Haupt und vor der Brust seiner Mutter als Sinnbild der Inkarnation) in die Schöpfung eintrat, um diese zu erlösen. Die an sich neuplatonische Vorstellung von einer der Welt immanenten göttlichen Ordnung/Weisheit steht auch hinter der Titulierung der frühen Sophienkirchen, zunächst oströmisch kaiserlicher Stiftung, verstand sich der “Weltherrscher“ doch als irdischer Wegbereiter des göttlichen „Allherrschers“. Am Ende der Tage alles Geschaffenen (Symbol des an den Enden bereits eingerollten Himmelsbandes), wenn „das Wort Gottes“ (Christus Logos), dem die Engel huldigen (oben), den Richterthron einnehmen wird (Evangelienbuch auf dem Thron oben Mitte), treten Johannes der Vorläufer (= Täufer, rechts) und die Gottesmutter (links) als Fürbitter für die Menschen des Alten beziehungsweise die des Neuen Bundes ein (formal der „Deesis“, der Petitionsaudienz des byzantinischen Hofzeremoniells entlehnt). Die Klarheit der Komposition mit ihrer sprechenden Ausgewogenheit von zentrischen, senkrechten und waagrechten Elementen wie auch die Reinheit der Farben dieser nordwestrussischen Sophia-lkone des ausgehenden 16. Jahrhunderts werden ihrem Sinngehalt in ganz besonderer Weise gerecht.

(Bernhard Bornheim)


Pskover Malweise mit Einflüssen des Stroganov-Stils

um 1600

Eitempera, Blattgold auf Leinwand und Holz

32 x 26,2 cm

Aus dem Nachlass von Weihbischof Gerhard Jakob

Inv. M 260

 




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