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Kunstwerk des Monats

An dieser Stelle präsentieren wir Ihnen im monatlichen Wechsel
jeweils ein Objekt aus unserer Sammlung.



Lentulus-Bild (F: Museum am Dom Trier)


„Ein Mann von schlanker, mittelgroßer, ansehnlicher Gestalt mit einem ehrfurchtgebietenden Gesicht, …, Haare von der Farbe einer frühreifen Nuss, glatt fast bis zu den Ohren, von den Ohren an krause Locken, …, von den Schultern herabfließend, mit einem Scheitel in der Mitte nach Art der Nazarener ….“

 

Sie haben es schon erkannt, wer hier beschrieben wird: Jesus von Nazareth. Hätte es zu Lebzeiten Jesu schon die Fotografie und facebook gegeben, wäre uns das Aussehen des Jesus von Nazareth wahrscheinlich in zahlreichen Porträt-Fotos überliefert. Aber offensichtlich hatten die Zeitgenossen Christi auch ohne entsprechende technische Möglichkeiten kein Interesse, das tatsächliche Aussehen Jesu der Nachwelt zu überliefern. Es gab ja immerhin schon die Malerei und eine wörtliche Beschreibung seines Aussehens wäre ja ohnehin möglich gewesen.

Und würden wir uns heute nicht auch wünschen, ein Bild vom Aussehen dieses „Nazareners“ zu besitzen, der – ob nun der Sohn Gottes oder nicht – bis zum heutigen Tag Menschen in seinen Bann zieht? Tatsächlich ist dieser Wunsch schon fast so alt wie Christus selbst. Aber was macht man, wenn es absolut keinen Anhaltspunkt für eine „Gesichts-Rekonstruktion“ gibt und wenn die Darstellung Gottes und damit auch seines Sohnes vom alttestamentlichen Bilderverbot her streng verboten war?

Eine Möglichkeit, auf die ich in einem späteren Beitrag „Kunstwerk des Monats“ eingehen will, ist die Legende, nach der Christus sein Gesicht in ein Tuch gedrückt und es sich darin abgebildet hat, so dass wir ein wirkliches Bild Christi vor uns hätten. Aber dazu später mehr (Mandylion- und Veronika-Bild).

Die andere Möglichkeit, auf die man zu Anfang des 14. Jahrhunderts in Italien kam, war die Erfindung einer antiken Schriftquelle. So wird ein Prokonsul mit Namen Lentulus erfunden, der zu Jesu Lebzeiten in Palästina lebte und in einem Brief an den Römischen Senat das Erscheinungsbild Christi in der oben zitierten Form schildert. Jesus wird als überzeitlich schön und wohlgeformt dargestellt. Der letzte Satz mit dem Verweis auf Psalm 45,3 („Schön an Gestalt vor allen Menschenkindern“) enthüllt die theologische Absicht des Textes und bestätigt u.a. seine nachantike Entstehung.

Der ursprünglich wohl für die fromme Betrachtung in Klöstern konstruierte Text fand im 15. und 16. Jahrhundert weite Verbreitung, um dann schließlich die Gestalt Jesu auch als gemaltes Bild wiederzugeben. So entstand ein Bildtyp, der Christus im Profil widergibt und mit einer Inschrift auf die Quelle der Darstellung verweist.

Das Museum am Dom konnte kürzlich ein Exemplar eines solchen Lentulus-Bildes für die Museumssammlung im Kunsthandelt erwerben. Es bleibt ein vergeblicher Versuch, sich ein Bild von dem ganz Anderen, dem nicht Darstellbaren und nicht Verfügbaren zu machen.

 

Inschrift:

DIESE BILD CHRISTI IST GESTALT

WIE ES LENTVLVS HAT ABGEMALT

VND GESCHICKT GEN ROM DEM SENAT

VON IERVSALEM AVS DER STAT

Seinne Lenge ist diese Linien zehen mal

1558

 

Sog. Lentulus-Bild

Öl auf Holztafel

16. Jahrhundert (?)

Museum am Dom, Inv. M 528

 

 

(M. Groß-Morgen)

 














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