Webangebot der Pfarreiengemeinschaft St. Erasmus (Rheinböllen)


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Pfarreiengemeinschaft Rheinböllen

Nahe an Gott ... Nahe an den Menschen

Liebe Schwestern und Brüder!

im Glaubensgesprächskreis haben wir zuletzt auch einen Artikel aus dem Buch von Matthias Sellmann: Katholische Kirche in der USA, Herder 2011gelesen. Das Buch ist entstanden aus einem Projekt der Ruhr-Universität Bochum, um Erfahrungen aus den USA für hiesige pastorale Arbeit nutzbar zu machen und Projekte zu initiieren.

In dem Artikel, der rund sieben Seiten enthält, geht es um Informationen aus dem US-amerikanischen Katholizismus. Beim Lesen des Artikels staunten wir über das beschriebene Ausmaß an ehrenamtlicher Beteiligung am Gemeindegeschehen. Der charismatische 35. US-Präsident John F. Kennedy sagte in seiner Amtsantrittsrede: „Ask not what your country can do for you. Ask what you can do for your country“. Übersetzt heißt das: „Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann - fragt, was ihr für euer Land tun könnt.“ Dieser Satz des Katholiken Kennedy erinnert an einen Satz aus dem 1. Petrusbrief (4,10): „Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat!“

In der US-Kirche gibt es tatsächlich eine ganz große Zahl ‚Kümmerer‘. In dem Artikel war nachzulesen, dass bei einem ‚normalen‘ Sonntagsgottesdienst, die erstaunliche Zahl von achtzig Aktiven gezählt wurde - und dabei noch den vielstimmigen Kirchenchor unberücksichtigt gelassen wurde. Tatsächlich haben die Impulse des 2. Vatikanische Konzils in den Staaten zu einem großen Engagement geführt. Und die Begründung für dieses Engagement ist sehr interessant: Die Menschen verstehen sich beispielsweise nicht als Helfer des Pfarrers oder der Hauptamtlichen, als Ehrenamtliche der Kirche oder als Menschen, die ihre Freizeit einsetzen. Die Motivation dieser US-amerikanischen Christinnen und Christen lautet fast immer: „I‘m called and gifted“, übersetzt: „Ich bin berufen und begabt“.

Sellmann schreibt: „Im Kern geht es also um die Aktivierung der Taufgnade, damit um das ‚Gemeinsame Priestertum‘, um Charisma, Freiheit, Entscheidung und Berufung.“ Was hier beschrieben wird, erinnert mich an eine Passage aus dem Synodentext „heraus gerufen. Schritte in die Zukunft wagen“ Da heißt es zum 2. Per-spektivwechsel: Charismen vor Aufgaben in den Blick nehmen: „Mit Charismen vor Aufgaben in den Blick nehmen meint die Synode, dass die Gaben, mit denen Gottes Geist die Getauften ausstattet, im Leben der Kirche von Trier zur Geltung kommen sollen. Es geht also um die Einzelnen, die sich mit dem in die Gestaltung der Kirche einbringen wollen, was der Geist ihnen jeweils schenkt. Kriterien für die Charismen sind, ob und wie sie zum Aufbau christlicher Gemeinschaft in der Gesellschaft beitragen, wie sie tätige Nächstenliebe verwirklichen helfen, wie durch sie Gottesdienste inspiriert werden und wie mit ihnen das Evangelium weitergesagt werden kann. Dabei bleibt der Zusammenhang von Aufgaben und Charismen im Blick. Fast alle Aufgaben in Kirche und Gemeinde verweisen auf Befähigungen und Kenntnisse, die in einem engen Zusammenhang mit entsprechenden Charismen stehen, und fordern diese heraus. Ausdrücklich befreit der Perspektivwechsel Charismen vor Aufgaben in den Blick nehmen nicht von einer sinnvollen Aufgabenorientierung. Die Kirche will bestimmte Aufgaben erfüllen, weil sie zu ihrem Auftrag gehören und weil sie dabei auf Gottes Geistesgaben vertrauen kann.

Die Synode beobachtet aber auch, dass die gewohnten Strukturen des kirchlichen Lebens manches Charisma behindern und verhindern. Die Aufmerksamkeit für das Wirken des Geistes ist in den Gewohnheiten des pastoralen Alltags allzu oft abgestumpft. Die Synode ist überzeugt: die Gläubigen wollen sich aufgrund ihrer eigenen Charismen sowohl in den jeweils passenden Aufga-benfeldern einbringen als auch neue Tätigkeiten entdecken, wenn sie sich ihrer Gaben bewusst werden.“ (vgl.: 2.2.1 Bedeutung (aus dem Synodentext)).

Gesegnete Tage und bleiben Sie gesund

Thomas Schneider