Webangebot der Pfarreiengemeinschaft St. Erasmus (Rheinböllen)


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Pfarreiengemeinschaft Rheinböllen

Nahe an Gott ... Nahe an den Menschen

Liebe Schwestern und Brüder,

das Jahr 2021 hat begonnen. Erst wenige Tage ist dieses Jahr alt. Der Abschied vom Jahr 2020 war völlig anders als sonst - es war viel stiller und die Menschen waren wenig ausgelassen.

Ja, das Jahr 2020 hat uns manches abverlangt. Es war so ganz anders: damit hatte keine und keiner von uns gerechnet.

Und nun 2021. Wir haben die Jahres-Schwelle 2020-2021 überschritten. Schwellen bezeichnen den Unterschied zwischen dem, was war und dem was kommt. Sie takten unser Leben. Und sie geben unserem Leben Rhythmus und Maß. Ohne diese besonderen Schwellen wäre das Leben ein einziger ununterscheidbarer Fluss. Es wäre monoton; ohne Hoch- und Tiefzeiten. Unsere Geburt ist die erste Schwelle, die wir überschreiten. Wir feiern dieses Wunder Jahr für Jahr und erleben eine Geburtstagsfeier als persönliche Wertschätzung - und feiern das Geschenk des Lebens. Und unser Tod wird die letzte Schwelle sein - jedenfalls in diesem Leben. Dazwischen liegen diese unzähligen Grenzen, Türen, Linien und Schwellen.

Und immer wenn wir uns einer solchen Linie nähern steht die Frage: Was wird kommen? Was soll werden? Was wird bleiben, wie es bisher war, und was wird sich ändern? Worauf ist Verlass und was steht zu befürchten? Und dahinter noch die wichtigen Lebens-Fragen: Wo geht es lang? Was ist das Ziel? Hat mein Weg Sinn?

Wir Christen glauben an einen Gott, der dabei ist, der uns begleitet, der bei uns ist - irgendwie. Wir glauben, dass dieser Gott es gut mit uns meint, selbst dann, wenn wir seine Wege mit uns nicht verstehen. Gott ist ja nicht unser Erfüllungsgehilfe, sondern er bleibt Gott, mit seiner Liebe zu uns, zu jeder und jedem. Im zweiten Buch der Bibel, im Buch Exodus, wird das sehr schön deutlich: Gott ist dabei, er begleitet. Ja, er lässt sich nicht abschütteln. Der sein Volk selbst dann nicht im Stich lässt, wenn er vergessen wird. Der nicht müde wird, seine Zeichen an den Himmel zu setzten. Und auf die Erde. Damit wir wissen wo‘s langgeht. Und der es still und leidend aushält, wenn diese Zeichen von seinen Menschenkindern ignoriert werden... Es ist gut, sich der Gegenwart Gottes immer wieder zu vergewissern. Wir brauchen diese wunderbaren Zeichen der Anwesenheit Gottes. Ja wir wissen unseren Gott anwesend in der Schrift, in der Eucharistie, im Bruder, in der Schwester, ja in der Schöpfung. Auch in dem was wir gefühlt und gedacht und beschlossen haben. Auch in dem, was uns getröstet hat. Was uns irritiert hat. Was uns geholfen hat.

Das Jahr 2020 war ein besonderes Jahr. Da sind wir uns alle einig. Corona, eine Erkrankung, die wir vor einem Jahr noch nicht kannten, und die doch alles irgendwie verändert hat, umgekrempelt hat. Vieles ist anders gekom-men, als wir uns das Ende Dezember letzten Jahres dachten. Das hätten wir uns nicht denken können. Und trotz all diesem Neuen, Unbekannten, Furchtsamen gilt uns die Zusage Gottes: „Ich bin da!“

Und das Gute ist: Wir werden unseren Gott nicht los. Hinter dieser Schwelle nicht und hinter allen anderen, die danach noch kommen werden auch nicht. Er will uns begleiten - egal was kommt. – Über welche Schwelle auch immer. Was für eine Perspektive!

Thomas Schneider, Pfarrer