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Mi, 10.10.2018

Brief des Generalvikars zur Synodenumsetzung

Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg

Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg
Liebe Mitbrüder, liebe Seelsorgerinnen und Seelsorger, liebe Vorsitzende der Pfarrgemeinde-, Pfarreien-, Verwaltungs-und Dekanatsräte!

Vor einigen Tagen haben Sie elektronische oder Brief-Post von der "Initiative Kirchengemeinde vor Ort" erhalten mit der Aufforderung, sich an der Demonstration am 20. Oktober zu beteili­gen und dafür Werbung zu machen.

Ich nehme das zum Anlass, Sie über den aktuellen Stand zur Synodenumsetzung zu informie­ren. Bei der Veranstaltung am 29. September, bei der dieTeilprozessgruppen den Vertreterin­nen und Vertretern der diözesanen Räte, Berufsgruppen und Einrichtungen ihre (Teil-) Ergeb­nisse vor-und zur Diskussion gestellt haben, hat sich ein klareres Bild der Pfarrei der Zukunft gezeigt.

Heute schon gibt es vielfältige Orte, an denen kirchliches Leben pulsiert. Diese Orte sind über­all zu finden, wo sich Menschen zu Gottesdienst und Gebet, zu einer Aktion, einem Projekt oder einfach als eine Gruppe von Menschen mit gleichen Interessen versammeln. Unser Ziel ist es, diese Orte, die Nähe und Heimat für die Gläubigen bedeuten, zu stärken und weiter zu ver­lebendigen. Wir erhoffen uns von den anstehenden Entscheidungen bezüglich Struktur, Inhalt und Konzeption der Pfarrei der Zukunft, dass weitere Orte von Kirche entstehen werden. So baut sich die Pfarrei der Zukunft von unten her vielfältig auf.

An diesen Orten von Kirchen kann vieles selbstverantwortlich gestaltet werden. Geplant sind z.B. Verwaltungsteams, die mit eigenem Budget, Mandat und Verfügungsberechtigung ausge­stattet sind und mit klar beschriebenem Auftrag Verantwortung vor Ort übernehmen. Diese sollen im Kirchlichen Vermögens-und Verwaltungsgesetz (KVVG) verankert werden. Auch wenn es künftig ein Verwaltungsgremium auf Ebene der Pfarrei der Zukunft geben wird, braucht es Frauen und Männer, die vor Ort Verantwortung übernehmen. Deswegen werden wir vor der Konstituierung der neuen Räte auf die jetzigen Verwaltungsräte zugehen und sie einladen, in solchen Verwaltungsteams mitzuarbeiten. Gerade wenn es um die Belange von Immobilien, Liegenschaften oder die Raumnutzung geht, ist das Wissen und die Erfahrung der Menschen vor Ort unschätzbar und wird für das Leitungsteam und die gewählten Gremien sehr wichtig sein.

Das drei-bis fünfköpfige Leitungsteam der Pfarrei der Zukunft wird sich vor allem mit der in­haltlichen Ausrichtung befassen. Ergänzend braucht es Führung und Leitung in anderen Berei­chen und Formaten, die von Priestern, anderen hauptamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsor­gern sowie Ehrenamtlichen übernommen werden, z.B. an den Orten von Kirche, bei Gottes­diensten oder bei der Begleitung von Ehrenamtlichen. Diese geteilte Verantwortung wird um­so wichtiger, wenn wir die Ergebnisse der Studie zu sexuellem Missbrauch im Raum der Kirche ernstnehmen und unsere bisherigen Machtstrukturen aufden Prüfstand stellen.

Als Anlaufstelle für die vielen Christinnen und Christen, und um die freiwillig Engagierten und die Seelsorgerinnen und Seelsorger bestmöglich zu unterstützen, planen wir ortsnahe "Kir­chenbüros" und "Kontaktstellen". Diese wird es zusätzlich zum Pfarrort mit dem Sitz des Lei­tungsteams und der zentralen Verwaltung geben. Die Nähe zu den Menschen soll auch auf diese Weise deutlich werden.

Ja, die Pfarrei der Zukunft wird räumlich groß sein. Und ja, das ist eine große Herausforderung -sie bietet aber auch große Möglichkeiten. Daher bin ich, gerade nachdem die Teilprozess­gruppen ihre Arbeit vorgestellt haben, zuversichtlich, dass Kirche so bunter und vielfältiger wird. Sicher wird es zum 1. Januar 2020 nicht die fertige Vorzeigepfarrei der Zukunft geben. Wir wollen ja, dass sich vieles vor Ort unter Beteiligung vieler weiterentwickelt, und dass Neues entsteht. Dafür werden die neuen Rahmenbedingungen meiner Meinung nach gut geeignet sein.

Lassen Sie mich noch ein Wort zur Initiative "Kirchengemeinde vor Orf' sagen: Wir haben mehrfach den Kontakt und den Dialog gesucht, und wir haben vier jeweils dreistündige, aus meiner Sicht gute und weiterführende Gespräche miteinander geführt. Das oben beschriebe­ne Modell der Verwaltungsteams ist ein Ergebnis dieses Dialogs. Darüber hinaus haben wir die Initiative unterstützt, indem wir ihr eine von ihr selbst gewählte juristische Beratung über ein ganzes Jahr finanziert haben, und indem ein Bistumsmitarbeiter beim Aufbau der Hornepage der Initiative geholfen hat. Die kritische Stimme dieser Initiative sehe ich als Akt der Meinungs­freiheit und ebenso ihre angekündigte Demonstration am 20. Oktober. Das respektiere ich.

Eine klare Aussage sei mir dennoch erlaubt: Die Aktion "Fünf vor zwöW baut ihren Protest auf Fehlinformationen auf. Ich hoffe, ich konnte nachvollziehbar erläutern, dass die Synodenum­setzung nicht auf Zentralisierung zielt, sondern auf die Stärkung kirchlichen Lebens und Enga­gements in der Nähe der Menschen und für ihr Wohl.

Eine generelle Regelung im Sinne eines Verbotes zur Unterstützung der Protestaktion seitens des Bistums werde ich nicht herausgeben. Ich respektiere auch, dass Mitbrüder und andere Hauptamtliche eine andere Meinung bei der Synodenumsetzung vertreten, als dies nun von den Teilprozessgruppen vorgeschlagen wurde, oder dass nachsynodale Entscheidungen der Bistumsleitung-wie die Raumgliederung oder die Auflösung der bisherigen Kirchengemein­den-kritisch gesehen werden. Wir werden zukünftig noch gezielter und transparenter infor­mieren und kommunizieren müssen. Leider ist es seitens der Organisatoren der Protestaktion am 20. Oktober nicht vorgesehen, dass ich unsere Sichtweise der Synodenumsetzung im Rah­men der Demonstration öffentlich darstellen kann. Aber wir werden mit der Bistumsleitung und Mitgliedern der Teilprozessgruppen am Tag der Kundgebung in Trier am Rande des Dom­freihofs da sein und gerne informieren und uns ihren Fragen und ihrer Kritik stellen.

Ich lade Sie alle herzlich ein, sich mit der Synodenumsetzung und aktuell vor allem mit den Vorschlägen der Teilprozessgruppen auseinanderzusetzen. Sie finden unter www.herausgerufen.bistum-trier.de alle Information dazu.

Mit herzlichen Grüßen

Dr. Ulrich Graf von Plettenberg