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Do, 20.06.2019

Fronleichnam 2.0

Ein Kommentar von Markus Koch (Internetredaktion)

Fronleichnamsprozession in Rayerschied

Fronleichnamsprozession in Rayerschied
Heute feiern wir das Hochfest des Leibes und Blutes Jesu Christi, besser bekannt unter dem Namen Fronleichnam. Seit den frühen Morgenstunden bereiten Männer und Frauen in Kisselbach, wie auch am vergangenen Sonntag in Argenthal und kommenden Sonntag in Rheinböllen, wieder wunderschöne Altäre mit Blumenteppichen vor und schmücken die Straßen mit Birken und Fahnen. Bereits um 6.00 Uhr ist da schon hektische Betriebsamkeit und den vielen helfenden Händen sei ein Herzliches Vergelts Gott ausgesprochen. Doch bei aller Begeisterung und der Erleichterung nach der feierlichen Prozession habe ich ein ambivalentes Verhältnis zu diesem, dem katholischsten aller Feiertage.

Gestatten Sie mir deshalb mal einen kritischen Blick auf dieses Fest zu werfen: Dieses Jahr muss ich mich nicht kümmern und das ist auch gut so. Wie oft habe ich mich in den vergangenen Jahren dabei ertappt, dass ich gehofft habe, dass es Bindfäden regnet, wenn mal wieder die Fronleichnamsprozession vor der Tür steht. Nicht, dass ich diese Tradition nicht mag. Ich merke aber immer wieder und es ist auch noch in den letzten Jahren stärker geworden, dass die Säkularisierung unserer Gesellschaft auch vor einem solch traditionsbeladenen Fest nicht Halt macht. Wenn ich also in der Vorbereitung eines solchen Festes meine Liste mit den zu verrichtenden Diensten mache und sie mit Namen füllen will, so gelingt mir immer seltener diese Liste zu füllen. Hektisch wird dann eine Viertelstunde vor Beginn des Gottesdienstes in der Kirche rumgesucht und jeden angesprochen ob er nicht den Lautsprecher oder eine Fahne oder gar den Himmel tragen möchte. Auch die vielfältigsten Dienste beim Ministrantendienst können immer schwieriger verteilt werden, ganz davon abgesehen, dass auch viele Kommunionkinder gar nicht mehr den Baldachin begleiten, was aber auch daran liegt, dass es immer weniger Kinder gibt. Auch bei der Prozession ist zu beobachten, dass die Kirche ordentlich gefüllt ist, aber nach und nach immer mehr Menschen verloren gehen, nach den einzelnen Altären. Das liegt aber sicherlich daran, dass viele ältere Menschen, denen dieses Fest wichtig ist, es gar nicht mehr schaffen, den ganzen Prozessionsweg zurückzulegen.

Zusammenlegen wäre sicherlich eine Lösung, die auch naheliegend ist, und die wir auch schon bei vielen anderen Festen machen, wo sich dann abgewechselt wird. Es käme sicherlich keiner auf die Idee die Christmette am 17.Dezember, am 24. und dann noch mal am 28.Dezember zu feiern, nur damit alle drei Pfarreien ihre Christmette haben, oder auch die Osternachtsfeier. Bei dem katholischsten aller Feste machen wir es aber so, und wenn man dann was ändern möchte in dieser Richtung wird es häufig emotional.

Ich werde heute nicht mit der Prozession mitgehen. Gerne hätte ich ein Alternativangebot angenommen. Beim Blick in benachbarte Pfarreiengemeinschaften ist aber auch dort nichts zu finden. Überall finden festliche Hochämter mit feierlichen Prozessionen statt. Tradition verpflichtet, hindert uns aber oft auch daran ein Fest auch mal anders in den Blick zu nehmen.

Soll den Fronleichnam abgeschafft werden?, fragen sie sich kritisch, wenn sie diese Zeilen lesen. Nein, ich wünsche mir auch mal ein Alternativangebot zu dem Fest. Wie wäre es wenn wir morgens mit einem feierlichen Gottesdienst starten. Hier werden im Anschluss Frauen und Männer ausgesendet. Hier wird das ite, missa est deutlich, was der Priester oder der Diakon am Schluss der Messe verkündet. Geht, ihr seid gesendet! Die sprachliche Nähe von „missa“ zu „Mission“ (Sendung) hat Benedikt XVI hervorgehoben: „Im christlichen Gebrauch hat das Wort („Entlassung“, Anm.) eine immer tiefere Bedeutung gewonnen, indem ,missa‘ zunehmend als ,missio‘ verstanden und so Entlassung zu Aussendung wird.  Dieser Gruß drückt in wenigen Worten die missionarische Natur der Kirche aus.“

Von dort aus besuchen die Frauen und Männer mit dem Allerheiligsten Orte auf, wo Menschen in ihrem Alltag sind. Das könnte der Badesee sein, ein Stall, ein Altenheim oder der Sportplatz. Nach einer Andacht, gibt es dort Gelegenheit zum Gespräch. Bewusst könnte hier der Akzent auf weniger "würdige" Orte gelegt werden. Jesus selbst kam in einen Stall zur Welt und auch sein Tod fand an einem Ort statt, der der unwürdigste Ort in Jerusalem war. Es würde hier deutlich werden, dass Kirche zu den Menschen geht, eintaucht in ihre Lebenssituation. Kirche geht bewusst auch an die Ränder.

Die ausgesendeten Frauen und Männer stehen somit für das wandernde Gottesvolk. „Ich werde mit dir sein, wohin du auch gehst!“ (Josua 1,9). Das wäre doch mal eine andere Sicht auf das Hochfest des Leibes und Blutes Christi. Fronleichnam 2.0 wenn sie so wollen.

Meint

Markus Koch


Hinweis: Dies ist ein Kommentar von Markus Koch. Es handelt sich um seine persönliche Meinung und ist nicht offizielle Menung der Pfarreiengemeinschaft Rheinböllen.

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