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Di, 28.07.2020

Spirituelle Wanderung zum Hochsteinchen

Evangelische und Katholische Christen gemeinsam unterwegs

Auf dem Gipfel angekommen: Die Teilnehmer der spirituellen Wanderung

Auf dem Gipfel angekommen: Die Teilnehmer der spirituellen Wanderung
Rheinböllen - Menschen, die nach Sinn und Glauben suchen, gibt es viele. Doch nicht alle werden in der Kirche fündig: In nicht selten alten Gemäuern, in denen Jahrhunderte der Tradition manchmal auch für eine gewisse Art der Erstarrung und Einengung sorgen, wenn es um Glaubensformen und Liturgie geht. Deshalb gehen die Evangelische Kirchengemeinde Rheinböllen-Dichtelbach und die katholische Pfarreiengemeinschaft Rheinböllen auch neue Wege. Aber auch die Corona-Pandemie hat einiges an neuen Ideen gebracht. Die Evangelische Kirchengemeinde bietet Podcasts auf ihrer Internetseite an und Hausgottesdienste werden den Gläubigen zur Verfügung gestellt. Auch die katholische Pfarreiengemeinschaft stellt Hausandachten und spirituelle Impulse auf ihrer Internetseite ein: „Es ist aber auch wichtig, dass die Menschen wieder in einen persönlichen Kontakt kommen und es nicht nur digitale Angebote von Kirche gibt“, gibt Andrea Sehn-Henn vom Pfarreienrat der Pfarreiengemeinschaft Rheinböllen zu bedenken. Auf ihre Anregung wurde eine spirituelle Wanderung zum Hochsteinchen angeboten. Gemeinsam mit der neuen Gemeindereferentin Daria Thoi hatte sie diese Veranstaltung organisiert. Dankbar sind sie, dass Pfarrer Thomas Schneider und sein evangelischer Amtskollege Wolfgang Jöst sofort ihre Unterstützung zugesagt haben. So fanden sich dreißig Teilnehmer am Fuße des Soonwaldes ein.

Ziel war das Hochsteinchen, mit 648 Meter, die zweithöchste Erhebung nach dem Simmerkopf im Rhein-Hunsrück-Kreis. Die Teilnehmer kamen nicht nur aus den beiden Kirchengemeinden aus Rheinböllen, auch fünf Frauen aus den Dörfern Niederburg, Perscheid und Urbar nahmen an der Wanderung teil. Carolina Berrocal hatte die weiteste Anreise. Die studierte Architektin stammt aus Peru, lebt und arbeitet aber in Deutschland. Durch die Corona-Pandemie konnte sie ihren Jahresurlaub nicht in ihrem Heimatland verbringen, denn Peru hat die zweithöchste Infizierten-Rate hinter Brasilien in Südamerika. So verbringt sie einige Ferientage bei Familie Sehn-Henn in Benzweiler, die sie in den letzten Jahren immer wieder regelmäßig besuchte.

Während der 10 Kilometer langen Wanderung gab es sechs Haltepunkte, in der Gemeindereferentin Daria Thoi, Pfarrer Wolfgang Jöst und Pfarrer Thomas Schneider den Teilnehmern spirituelle Impulse mit auf den Weg gaben. Der erste Haltepunkt stand unter der Überschrift – Aufbrechen- wir machen uns auf den Weg. Aufbrechen heißt, dass etwas Neues entstehen kann. Menschen haben sich zu allen Zeiten auf den Weg gemacht, wie auch Abraham, der in das Land zog, dass Gott ihm verheißen hat. Wer aufbricht, lässt aber auch einiges hinter sich. Mit einem Lied, passend zur Station wurden die kurzen Impulse abgeschlossen.
Auch der zweite Haltepunkt, vorgetragen von Thomas Schneider, befasste sich mit dem Gedanken des – Hinter sich lassen- „Was wir hinter uns lassen, wird zur Erfahrung“, so Thomas Schneider. Sesshaftigkeit kann letztendlich Selbstzufriedenheit hervorrufen, wie die Israeliten, die nach der Erzählung aus dem Buch Exodus nach Ägypten erst hingezogen sind und dann unter den Einheimischen gelitten haben. Auch hier war das Abchlusslied passend: „ Lass uns in deinem Namen Herr, die nötigen Schritte tun.“

Während der Wanderung gab es immer wieder Möglichkeiten zum persönlichen Gespräch der Teilnehmer untereinander. Manche reflektieren die spirituellen Impulse, andere sprachen über Glaubensfragen oder es wurde sich an der Natur, beispielsweise den Schmetterlingen erfreut.
An einer Weggabelung vor dem steilsten Anstieg wurde dann nochmal Halt gemacht. Daria Thoi erzählte von dem Vorbereitungstreffen und wie sie den Weg erkundet hat: „Als ich den Anstieg sah, fragte ich mich: Warum tust du dir das an?“ Dabei sind Bergbesteigungen auch Gottesbegegnungen und es ist tröstlich, dass Gott auch einem entgegenkommt.

Am Gipfel des Hochsteinchens angekommen übernahm Wolfgang Jöst die nächste Einheit. Treffend fasste er das Gefühl der Teilnehmer in einem Satz zusammen: „Am Gipfel angekommen – Da möchte man bleiben.“ Gipfelerfahrungen sind das Gegenteil vom Alltag, von ganz oben sind die Probleme des Alltages ganz klein. Passend hierzu ist die biblische Erzählung der Verklärung von Jesus Christus. Dieses Offenbarungsereignis erlebten drei Apostel, als sie Jesus auf einem Berg in besonderer verklärter Form mit den Propheten Mose und Elia sahen. Aber nach einer Gipfelbesteigung muss man auch wieder hinabsteigen.

Am alten Steinbruch gab es den nächsten Halt, der ebenfalls von Wolfgang Jöst übernommen wurde: „ Wir haben den Gipfel hinter uns gelassen- gefühlt ist das schon lange zurück.“ Menschen, die gerade ihren Höhepunkt erlebt haben, fallen danach oft in Depressionen, so wie der Prophet Elija, der die Machtprobe gegen den heidnischen Baalskult gewonnen hat, aber danach sich unter einem Ginsterstrauch hinlegte und sterben wollte. Doch ein Engel weckt ihn auf, gab ihm zu essen und gibt Elija ein neues Ziel. Im Anschluss an diese biblische Erzählung wurden die Teilnehmer ebenfalls mit selbstgebackenen Brötchen und Wasser versorgt mit denselben Worten die der Engel damals zum Propheten sagte: „Esst und Trinkt! Ihr habt noch einen weiten Weg vor euch.“

Die letzte Station war dann in der katholischen Pfarrkirche St. Erasmus in Rheinböllen. Thomas Schneider und die Teilnehmerin Angelina Haack stellten den bekannten Psalm 23 in den Blickpunkt. Zusammenfassend geht es darum, dass Gott unser Hirte ist und er uns alle kennt. Mit dem Lied „Komm, Herr segne uns“ endete die Wanderung.

Danach versammelte sich die Wandergruppe noch im Pfarrgarten, wo Ingrid und Karl-Ludwig Kasper den Teilnehmern noch eine leckere Gulaschsuppe servierte. Pfarrer Thomas Schneider zog ein positives Fazit: „Das war eine schöne gelungene ökumenische Sache, die nach einer Wiederholung ruft.“ Auch viele Teilnehmer waren froh dabei gewesen zu sein. Auch Pfarrer Wolfgang Jöst war begeistert: „ Wir haben ein so tolles ökumenisches Miteinander in Rheinböllen und ich hoffe, dass es eine Wiederholung gibt, bei einer anderen Wanderroute. Es gibt viele Schöne Orte im Hunsrück.“
Während der Corona-Pandemie werden weitere auch traditionellere Gottesdienste im freien stattfinden. So plant die evangelische Kirchengemeinde am 9 August einen Gottesdienst am alten Steinbruch in Rheinböllen und am 30. August auf dem alten Friedhof in Dichtelbach.
Auch die katholische Pfarreiengemeinschaft plant eine Reihe von Freiluftgottesdiensten.
Mehr Informationen dazu gibt es bei der Evangelischen Kirchengemeinde Rheinböllen unter 06764/1275 oder auf der Internetseite www.ev-kirche-rheinboellen-dichtelbach.de bzw. bei der katholischen Pfarreiengemeinschaft Rheinböllen unter 06764/302080 oder www.pfarreiengemeinschaft-rheinboellen.de.