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Mo, 10.08.2020

Zu den Menschen gehen

Ein Kommentar zu den geplanten Freiluftgottesdiensten von Markus Koch

Der Waldsee in Argenthal

Der Waldsee in Argenthal
Vor genau 20 Jahren begleitete ich eine Jugendbegegnung nach Irland. Wir wohnten in einem Selbstverpflegerhaus in dem kleinen Ort Fossa unweit von Killarney in der Region Kerry im Südwesten der grünen Insel. Und wie es sich für eine katholische Jugendfreizeit gehört besuchten wir die Heilige Messe am Sonntagmorgen in dem kleinen Ort Fossa.

Die Kirche in die wir gingen ist schon etwas Besonderes. Es ist eine moderne neuerbaute Kirche, überwiegend aus Holz und in der Form eines Schiffes gebaut. Während die Seitenfenster eher traditionelle Buntglasfenster mit biblischen Motiven und Heiligenbildern gestaltet wurden, war das einzige Fenster hinter dem Altar ein reines durchsichtiges Panoramafenster.

In diesem Fenster sah man die Lakes of Killarney und dahinter die majestätische Erhebung der Macgillycuddy’s Reeks mit dem Carrantuohill, mit über 1000 Metern der höchste Berg Irlands. Mit diesem lebendigen Altarbild wollte der Architekt ausdrücken, dass wir, das Volk Gottes mit Jesus als Steuermann gemeinsam in dieser Welt unterwegs sind.

Es war gutes Wetter an diesem Sonntagmorgen und so lag dieses reale Altarbild sehr malerisch da. Wenn man allerdings ein wenig topographische Kenntnisse hat, ein großer See und dahinter eine Gebirgskette, dann weiß man, dass sich so eine Wetterlage sehr schnell auch mal ändern kann. Sonne, Nebel, Sturm und Regen wechseln sich da sehr schnell ab. Wir haben das auch dort mal zu spüren bekommen, als wir den Berg damals besteigen wollten, wir aber abbrechen mussten, weil sich das Wetter schlagartig geändert hat. Das was man plant, kann von jetzt auf gleich obsolet sein und man muss sich sofort auf die andere Gegebenheit einstellen. So ist es auch uns als Kirche gegangen in der Corona-Pandemie, wenn wir da z.B. an die Kommunion- und Firmvorbereitung denken.
Ein weiterer Gedanke: Wenn ich an so ein Altarbild denke, dann wird es mir bewusst, dass Gottesdienste und reales Leben untrennbar zusammen gehören. Und daher finde ich es gut, dass wir in den nächsten Wochen Gottesdienste an ganz unterschiedlichen Orten feiern, sei es in der Mitte in einem Dorf, an einem historischen Ort, da wo Menschen leben, im Wald, an einem See wo Menschen Entspannung suchen oder auf einem Firmengelände, wo Menschen arbeiten. Das Altarbild was dadurch immer wieder neu entsteht, muss nicht unbedingt schön oder besonders würdevoll sein. Und gleichsam ist es auch Auftrag für die Kirche, also für uns, immer wieder neu zu den Menschen zu gehen.

Und noch ein Gedanke! Wenn ich an Segelschiffe denke, dann habe ich das Bild im Kopf, dass insbesondere im Sturm eine ganze Mannschaft daran arbeitet voran zu kommen. Der Skipper steuert das Schiff nicht alleine und die Besatzungsmitglieder sitzen nur da. Jeder hat seine Aufgabe, die Menschen arbeiten Hand in Hand. Auch das ist für mich ein Bild von Kirche in diesen unruhigen und auch ungewohnten Zeiten. Jeder ist eingeladen mitzuarbeiten, Vorschläge zu machen oder zu schauen, wie es meinem Nachbarn geht. Dies ist nicht nur die Aufgabe des leitenden Pfarrers alleine. Seine Aufgabe ist es, dass Ganze zu koordinieren, die Fäden zusammen zu halten und darauf zu achten, dass sie sich nicht verknoten.

In diesem Sinne freue ich mich auf die vielen Freiluftgottesdienste in unserer Pfarreiengemeinschaft und dass wir gemeinsam aus dieser Krise unser Schifflein „Kirche“ steuern können

Meint
Markus Koch
Internetredaktion

Hinweis: Dies ist ein Kommentar von Markus Koch. Es handelt sich um seine persönliche Meinung und ist nicht offizielle Meinung der Pfarreiengemeinschaft Rheinböllen.

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