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Di, 18.08.2020

Kräutersegnung in Liebshausen

Tradition an Maria Himmelfahrt wurde von der Frauengemeinschaft wiederbelebt

viele Gläubige besuchten den Freiluftgottesdienst in Liebshausen

viele Gläubige besuchten den Freiluftgottesdienst in Liebshausen
Liebshausen Die Kräuterweihe gehört zu den volkstümlichen Bräuchen der katholischen Kirche. Der Brauch ist schon seit dem 9. Jahrhundert bekannt. Dabei werden am Hochfest Mariä Himmelfahrt am 15. August Kräuter zu einem Strauß gebunden und mit zur Kirche gebracht. Dort werden diese im Gottesdienst vom Priester gesegnet. Seit 1999 hat die Frauengemeinschaft in Liebshausen diese Tradition wiederbelebt. Mehr als 80 dieser Kräutersträuße wurden von den Frauen gebunden. Das Brauchtum geht vermutlich auf die Überlieferung des Kirchenvaters Johannes von Damaskus zurück, der zufolge dem leeren Grab Mariens bei seiner Öffnung ein Wohlgeruch nach Rosen und Kräutern entstiegen sein soll.

Im Hunsrück wird der Kräuterstrauß auch Krautwisch genannt. Denn ursprünglich war in dieser Region der Beifuß das wichtigste Kraut in dem Gebinde. Die alte Bezeichnung Wisch und Wischkraut für Beifuß ist daher der Namensgeber für das Gebinde aus Kräutern und Gräsern, die in der Küche und auch im Kuhstall gegen Koliken zur Anwendung kamen.

Normalerweise findet im Anschluss an den Gottesdienst in Liebshausen, dass Krautwischfest statt. Dann werden selbstgemachte gefüllte Klöße mit Apfelmuss zum Mittagstisch serviert, nachmittags gibt es Kaffee und Kuchen. In diesem Jahr war es wegen der Corona-Pandemie anders. Es konnte zwar das Fest nicht stattfinden, aber der Gottesdienst selbst konnte im Freien vor der Kirche am alten Backes gefeiert werden. Mehr als 60 Gottesdienstteilnehmer brachten von zu Hause ihre Gartenstühle mit um dort gemeinsam Gottesdienst zu feiern: „Das Wetter hat zum Glück mit strahlendem Sonnenschein mitgespielt und daher war es eine ganz besondere Atmosphäre solch einen Gottesdienst draußen zu feiern“, zog Mitorganisatorin Christel Kupfer ein positives Fazit. Auch Pfarrer Thomas Schneider zeigte sich zufrieden: „Ich war über die große Anzahl der Mitfeiernden überrascht. Für das Vorbereitungsteam war das sicherlich eine tolle Sache.“ Für den Ort Liebshausen war es auch der erste Gottesdienst seit März. Durch Corona und den strengen Vorschriften konnten dort keine Gottesdienste in der Kirche gefeiert werden. In seiner Predigt wies Pfarrer Schneider darauf hin, dass oft die Kräuter, die unscheinbar wirken eine besonders heilende Wirkung erzielen oder auch dem Essen eine ganz besondere Note geben.. Er bezog sich hier insbesondere auch auf die heilige Hildegard von Bingen. So heißt es bei Hildegard: „Drei Pfade hat der Mensch in sich, in denen sich sein Leben tätigt: die Seele, den Leib und die Sinne“. Nur wenn diese drei Aspekte der Lebensführung ausgewogen beachtet werden, bleibt der Mensch gesund.

Im Anschluss an den Gottesdienst wurden die Krautwische an die Gläubigen verkauft. Der Erlös wird seit vielen Jahren für einen guten Zweck gespendet. So unter anderem für die Sanierung der St. Antonius Kirche in Liebshausen aber auch beispielsweise für krebskranke Kinder. Angelika Koblitz vom Verwaltungsrat Rheinböllen und zuständig für die Filialkirche in Liebshausen war ebenfalls vom Freiluftgottesdienst begeistert: „Es wird hoffentlich nicht der letzte Gottesdienst im Freien gewesen sein. Viele Menschen aus der Gemeinde haben so gesehen, dass Kirche auch in unserem Ort noch präsent ist.“ Christel Kupfer fügte hinzu: „Wir hoffen aber, dass es nächstes Jahr wieder ein Fest mit Mittagessen und Kaffee und Kuchen geben wird, denn solche Veranstaltungen sind ganz wichtig für das Gemeinschaftsgefühl.“

In der Pfarreiengemeinschaft Rheinböllen sind weitere Freiluftgottesdienste auch anderen Orten geplant. Mehr dazu gibt es auf der Homepage der Pfarreiengemeinschaft www.pfarreiengemeinschaft-rheinboellen.de.