Basis-Navigation

Breadcrumb

Hauptinhalt

Kunstwerk des Monats

An dieser Stelle präsentieren wir Ihnen im monatlichen Wechsel jeweils ein Objekt aus unserer Museumssammlung.
Neuerwerbungen, Altbestände, Schenkungen, neue Forschungsergebnisse oder einfach die Highlights unserer Sammlung - all das erwartet Sie hier. Mit einem kurzen Text und einem Foto stellen wir Ihnen das Objekt vor.
Aber Sie wissen ja: nichts geht über das eigene Erleben - unsere Kunstschätze erwarten Sie.


           Flucht nach Ägypten


Flucht nach Ägypten

 

Als einziger der vier Evangelisten berichtet Matthäus von der Flucht der Hl. Familie nach Ägypten (Mt 2, 13-23). Ein Engel befiehlt Josef im Traum, mit Maria und dem Kind nach Agypten zu fliehen, da König Herodes den “neugeborenen König der Juden“ (Mt 2,2) töten lassen will. Erst nach dem Tod des Herodes kehren sie nach Israel zurück.

Die aus der Trierer Welschnonnenkirche stammende Figurengruppe “Flucht nach Ägypten“ stellt das Thema in dem üblichen ikonographischen Typus dar: Maria sitzt mit dem Kind auf einem Esel, der von Josef geführt wird. Beide Teile der Gruppe sind mit eigener Standfläche gearbeitet und dann in einen gemeinsamen Sockel eingesetzt. Der Esel musste nachträglich mit einer zusätzlichen Stütze stabilisiert werden. Josef ist in der zeitgenössischen Kleidung des sechzehnten Jahrhunderts dargestellt. Neben Hut, Mantel, Rock und Stiefeln trägt er eine Wasserflasche auf dem Rücken sowie seitlich unter dem Mantel eine Provianttasche. Die Mantelschöße flattern in bewegtem Faltenspiel nach hinten. Mit seiner Rechten hat er eine Axt geschultert, während er in der Linken wohl ursprünglich die (verlorenen) Zügel des Esels hielt. Sorgenvoll wendet er sich zu Maria und dem Kind um.

Maria, die etwas größer dargestellt ist als Josef, sitzt seitlich auf dem Esel und hält das Kind bergend in ihren Armen. Ihr weites, mit kostbaren Säumen und Borten verziertes Gewand fällt zu beiden Seiten des Esels weit herab. Der schwarze, breitkrempige und für eine Frau ungewöhnliche Hut soll das Unterwegssein der Familie unterstreichen. Von den Sorgen, die sich auf den Gesichtern von Josef und Maria widerspiegeln, scheint das munter blickende Jesuskind unberührt zu sein.

Verschiedene ikonographische und formale Motive - wie beispielsweise der Hut - machen es wahrscheinlich, dass der Bildschnitzer den Holzschnitt von Albrecht Dürer mit der Flucht nach Ägypten (B 89, 1503/04) gekannt und als Vorlage benutzt hat. Dies bedeutet eine Datierung der Gruppe in den Anfang des sechzehnten Jahrhunderts. Üblich war die Gestaltung des Themas in der Malerei und Graphik, aber auch als Relief. Vollplastische Darstellungen dagegen sind selten. Die wenigen bekannten Beispiele (Amsterdam, Aachen, Datteln, Emmerich) stammen alle aus der Zeit um 1500. Unter diesen nimmt die Trierer Gruppe aufgrund ihrer qualitätvollen Schnitzarbeit, ihrer kostbaren Fassung sowie ihrer einfühlenden Darstellung einen herausragenden Platz ein.

Der bemerkenswerte Faltenreichtum der Figurenrückseiten deutet auf eine ursprünglich freie Aufstellung der Gruppe hin. Über ihren Standort in der Welschnonnenkirche besteht Unklarheit. Ob solche Gruppen eine spezifische Funktion hatten, die über einen allgemeinen Andachtsbildcharakter hinausging, oder ob sie - wie jüngst vermutet wurde – bei Prozessionen auf einem fahrbaren Gestell mitgeführt wurde, wäre noch zu untersuchen.

(M. Groß-Morgen)

 

 

1. Viertel 16. Jahrh.

Linden- und Nadelholz, mit verschiedenen Farbfassungen

H: 110 cm

aus der Welschnonnenkirche Trier

Inv Nr. P 500

 




Browser-Navigation


Haupt-Navigation 419




Diese Seite erreichen Sie unter: https://www.bistum-trier.de/goto/?11060