Basis-Navigation

Breadcrumb

Hauptinhalt

Kunstwerk des Monats

An dieser Stelle präsentieren wir Ihnen im monatlichen Wechsel
jeweils ein Objekt aus unserer Sammlung.



                              Bernhard Philipp, Pietà
     

Pietà, oder: Triumph der gebrochenen Leiber

 

Maria stemmt den leblosen, gebrochenen Leichnam ihres Sohnes hoch: alle Welt soll den Skandal seines Todes erkennen. Sie erhebt Anklage gegen die Menschen, die den Tod Jesu zu verantworten haben. Sie wird zum Vorbild all der Mütter, die - wo auch immer auf der Welt - Aufklärung über das Schicksal ihrer Söhne und Töchter verlangen und Rechenschaft fordern.

Sie erhebt aber auch Anklage gegen einen Gott, der diesen Tod zuließ und der angesichts des Leides in der Welt ein machtloser, uninteressierter Gott zu sein scheint. Sie droht unter der Last des toten Körpers, aber vor allem unter der Last ihres Schmerzes und ihrer Trauer zu zerbrechen.

Gleichzeitig aber – und das macht diese Skulptur so interessant – klingt noch ein anderer Aspekt an: Maria scheint den leblosen Körper wie in einem Tanzschritt empor zu halten,. Sie stemmt ihn wie ein Siegeszeichen hoch. Der gebrochene Leib selbst scheint ihr neue Kraft zu geben, die Last und das Niedergedrücktwerden durch den Tod auszuhalten.

Seit Beginn des 14. Jahrhunderts tritt das Vesperbild als neue Form der Mariendarstellung auf: Maria hält ihren toten Sohn auf dem Schoß. Die Bezeichnung leitet sich von der abendlichen Gebetszeit der Vesper ab, bei der - an den Abend des Karfreitags erinnernd - der Kreuzabnahme gedacht wurde. Vesperbilder werden auch mit dem italienischen Wort „Pietà“ bezeichnet, was sowohl das Mitleiden mit der trauernden Muttergottes als auch das Mitleiden um den Tod Christi bezeichnen soll. Der Ursprung des Vesperbildes liegt jedoch im deutschsprachigen Raum, wo es auch die größte Verbreitung fand.

Bernhard Philipp greift hier auf die Ursprünge des Vesperbildes zurück, als der eucharistische Gedanke – Maria präsentiert den durch seine Wundmale ausgezeichneten Leib Christi wie in einer Monstranz – stärker im Vordergrund stand.

Bis heute ist es ein Thema, das Künstler zu neuen bildnerischen Lösungen anregt. So hat sich auch Bernhard Philipp immer wieder mit diesem zentralen menschlichen Thema beschäftigt. Eine monumentale Darstellung schuf er nördlich von Offenburg im badischen Bühl: eine überlebensgroße, aus Eisenschrott-Teilen geschaffene Freilandskulptur, die in der Tradition der Wegkreuze zum Innehalten einlädt.

(M.Groß-Morgen)



Bernhard Philipp (1947-2013)

1972/1991

Bronze, Granitsockel

H 31,5 cm

Inv. P 867



Browser-Navigation


Haupt-Navigation 419




Diese Seite erreichen Sie unter: https://www.bistum-trier.de/goto/?11080