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Kunstwerk des Monats

An dieser Stelle präsentieren wir Ihnen im monatlichen Wechsel
jeweils ein Objekt aus unserer Sammlung.



Aquamanile
      

Gießgefäß in Form eines Pferdes (Aquamanile)

Das im Wachsausschmelzverfahren hergestellte Gefäß zeigt nur wenige Gussfehler: an den Seiten des Pferdeleibes sind in der messingfarbenen Bronze noch die abgearbeiteten Kupferstege zu erkennen, die den zum Guss notwendigen inneren Tonkern und den äußeren Mantel miteinander verbanden. Auf der Brust des Pferdes schließt eine mit Lötzinn eingesetzte Platte die Öffnung, durch die der innere Tonkern nach dem Guss entfernt werden konnte. Es fehlt der Deckel, der einst die auf dem Kopf befindliche Einfüllöffnung verschloss.

Die Tiergestalt ist in ihrer Formgebung ganz der Funktion des Gießgefäßes untergeordnet: der bauchige Körper, die kurzen Beine und der stark stilisierte Kopf mit dem als Ausguß geformten Maul unterstreichen diesen Eindruck. Die Darstellung des Pferdes wird eigentlich erst an dem Zaumzeug mit Sattel und den hochgeschlagenen Steigbügeln erkennbar.

Gießgefäße, die Aquamanilien genannt werden, dienten im liturgischen Dienst zur Handwaschung, wenn der Priester vor der Opferung von Brot und Wein den Psalmvers 25,6-12 betet: "Lavabo inter innocentes manus meas". (Ich wasche in Unschuld meine Hände.) Die meisten der Gefäße sind aber zunächst für den profanen Bereich gearbeitet und kamen erst später in kirchliche Nutzung. Man vermutet, dass die Ritter der Kreuzzüge solche Gießgefäße aus dem Orient mitbrachten, die dann zu Vorbildern der mittelalterlichen Aquamanilien wurden. Sie wurden hauptsächlich in der Zeit vom 12. bis zum 16. Jahrhundert gefertigt, wobei das Rhein-Maas-Gebiet und Niedersachsen wegen der Erzvorkommen die Produktionszentren waren. Die etwa 350 erhaltenen mittelalterlichen Gießgefäße sind vorwiegend als Löwenaquamanilien gestaltet, zeigen aber auch andere Tiere und dämonische Wesen. Das Pferdegefäß aus Kirchsahr ist wegen seiner gedrungenen Form wohl in der Mitte des zwölften Jahrhunderts entstanden.
(Winfried Weber)

Niedersachsen (?), um 1150
Bronzehohlguß
H 16,7 cm
aus Kirchsahr
Inv. L 26



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