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Rundfunkarbeit

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Freitag, 6. September 2013

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Hahn oder Schwan

Hahn oder Schwan – das ist die Frage. Saarländische Kinder wissen, dass auf der Kirchturmspitze ein Hahn sitzt. Ostfriesische Kinder wissen, dass auf vielen ihrer Kirchtürme ein Schwan sitzt.

 

Aber wie kommen die – egal ob Hahn oder Schwan - dorthinauf? Und warum ist es hier der Hahn und dort, in Ostfriesland, der Schwan? Es geht hier weniger um einen Wetterhahn, damit man mit einem Blick nach oben erkennen kann, aus welcher Richtung der Wind bläst. Der Hahn sitzt da so weithin sichtbar als Erinnerung: Als Jesus verhaftet wurde, sagte er seinem Gefährten Petrus auf den Kopf zu: „Bevor der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen!“ Also mahnt der Turmhahn die Christen zum standhaften Bekenntnis zu Jesus Christus.

Und nun zum Schwan. Die Ostfriesen sind ein eigentümliches Völkchen, und sie haben sich mit dem Schwan ein eigenes Symbol auserwählt!? Weit gefehlt! Denn der Schwan ist ein Symbol für - Martin Luther.

 

Das kam so: Einer der Vorgänger Luthers war der tschechische Reformator Johannes Hus. Das tschechisch „Hus“ bedeutet zu Deutsch „Gans“. Hus, 1415 als Ketzer verurteilt, soll  auf dem Weg zum Scheiterhaufen gesagt haben: „Ihr werdet mich jetzt wie eine Gans braten, aber nach mir wird ein Schwan kommen, der laut und besser singt als ich. Und sein Lied werdet ihr nicht verstummen machen.“


Gut 100 Jahre nach Johannes Hus‘ Tod schlug Martin Luther im Jahr 1517 seine 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg. Die Reformation in Deutschland begann. Seitdem wird die Prophezeiung von Hus auf Luther bezogen. Bald entstanden  Gemälde, auf denen Luther mit einem Schwan dargestellt wurde. Und deshalb ziert ein Schwan viele lutherische Kirchen.


Hahn und Schwan – leider sind sie auch ein Zeichen einer ehemaligen Abgrenzung. Die Reformation brachte verschiedene protestantische Richtungen hervor. Lutheraner und Reformierte grenzten sich weithin sichtbar auf den Kirchtürmen voneinander ab. Es hat einige Jahrhunderte gebraucht, bis sich die beiden auf eine Union verständigt haben.

 

Gut, dass das Kreuz ein alle verbindendes christliches Zeichen auf den Kirchtürmen ist. Und im Zeichen des Kreuzes kommen ja heutzutage bei vielen Gelegenheiten auch Protestanten und Katholiken unter ein Dach. Da kann sich noch viel bewegen!




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