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Rundfunkarbeit

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Montag, 7. Dezember 2015

Zwischenruf SR1 und SR3
Der leere Glückskeks

Mein Freund Mattes sitzt in der Küche. Auf dem Tisch ein Skalpell, jede Menge Krümel und ein Berg Glückskekse. „Was um alles in der Welt wird das?“ frage ich. „Ich verschenke dieses Jahr Glück!“ grinst Mattes. „Aber es ist ziemlich tricky das Glück in diese Kekse zu kriegen.“ Spricht´s, sticht mit dem Skalpell in einen Keks und trennt ihn vorsichtig auf.

„Aber in Glückskeksen sind doch schon so kleine Glücksorakelzettel drin“, sage ich.

„Klar, normalerweise finden sich da so Allerweltweisheiten. Wie die hier.“ Er fischt einen Zettel aus dem geöffneten Keks. Ich lese: „Sobald der Berg überschritten ist, wird es dir besser ergehen. Na, toll!“

Mattes betupft währenddessen vorsichtig die Schnittstelle mit Wasser. Stäubt ein wenig Mehl darüber. Presst die Hälften zusammen und wirft den leeren Glückskeks zu den anderen. Er sagt: „Wenn du dich vollstopfst mit den ganzen Anweisungen zum Glücklich sein, dann macht Dir das nur Stress: Lauf täglich 10 km, dann bist du glücklich, suche dir eine neue Freundin. Entrümpele deinen Kleiderschrank. Glücksforscher sagen: Glück geschieht ganz nebenbei. Wenn du ganz selbstvergessen bist, in einen Flow kommst, bist du glücklich.“

So langsam dämmert mir, was Mattes meint. Schon die christlichen Mystiker im Mittelalter haben das gewusst. Ihr Ziel war es, leer zu werden, damit Gott sie erfüllen kann.

„Deshalb“, sagt Mattes, „entferne ich schon den ganzen Abend alle Glücksanweisungen aus den Keksen. Getreu dem Spruch: Wenn du ganz leer bist, dann kann sich das Glück breitmachen. Die leeren Kekse kriegt ihr übrigens zu Weihnachten! Natürlich hübsch verpackt!“




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