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Rundfunkarbeit

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Dienstag, 7. September 2010

Innehalten SR2
Die Würde des Menschen ist unfassbar

 

Damit könne er nichts anfangen, mit der unantastbaren Würde des Menschen, sagte der Journalist bei „Pro und Contra“. Das sei „Unsinn“, unkonkret, und bissig fügte er hinzu: „Ihre Würde sollen sich die Würdenträger zu den alten Krawatten in den Kleiderschrank hängen.“

 

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ So kurz ist der erste Satz unseres Grundgesetzes. Was „Würde“ ist, wird nicht gesagt. Schon komisch: Wissen wir denn nicht einmal, was das ist, das uns da verboten ist anzutasten? Geschweige denn die Würde zu betatschen oder gar zu verletzten! Sie scheint ja geradezu ein heißes Eisen zu sein, an dem man sich die Finger verbrennt. Aber dieser Vergleich stimmt nicht, weil: was ein heißes Eisen ist, wissen wir. Vielleicht kann man die Würde aber mit einer ganz empfindsamen Pflanze vergleichen, um ihr auf die Spur zu kommen.

 

Oder ich denke an ein Wortspiel eines ehemaligen Mitschülers von mir: „Die Würde des Menschen ist unfassbar“ Unfassbar, nicht unantastbar. Das war witzig gemeint, wir lachten darüber. Den Lehrer aber hat’s geärgert. Er korrigierte: „Unantastbar heißt das! Nicht: unfassbar!“

 

Heute, Jahrzehnte später, merke ich: Das war gar kein dummer Scherz! Die Würde ist durch Gesetzestexte nämlich nicht zu definieren. Abstrakte, juristische Sprache vermag sie nicht zu fassen. Die biblische Sprache erzählt von der Beziehung zwischen Gott und Mensch, durch die der Mensch Gottes Ebenbild wird. Das begründet seine Würde. Aber letztlich bleibt diese Würde umgeben von einer Aura des Unaussprechlichen, schwer in Worte zu fassenden.

 

Es ist, mit Verlaub, eine dumme Aufforderung jenes Journalisten, die Würde zu den alten Krawatten in den Kleiderschrank zu hängen. Das Wortspiel meines Mitschülers, die Würde sei unfassbar, war dagegen geradezu ein Geistesblitz.




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