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Rundfunkarbeit

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Montag, 24. Mai 2010

Morgenfeier
Evangelische Morgenfeier zum Pfingstmontag: „Komm, Heiliger Geist, Herre Gott“

Ansage aus dem Funkhaus:

Hören Sie jetzt eine evangelische Morgenfeier zum Pfingstmontag: „Komm, Heiliger Geist, Herre Gott“. Von Kirchenpräsident i. R. Eberhard Cherdron

 

 

Musik 1 / Choralvorspiel, Johann Ludwig Krebs (3:12)

(Schluss: Mit nachfolgendem Text „überlagern“ / Voice over)

 

Sprecherin / Musik 1

Komm, heiliger Geist, Herre Gott,

erfüll mit deiner Gnaden Gut

deiner Gläub’gen Herz, Mut und Sinn,

dein brennend Lieb entzünd in ihn‘.

O Herr, durch deines Lichtes Glanz

zum Glauben du versammelt hast

das Volk aus aller Welt Zungen.

Das sei dir, Herr, zum Lob gesungen.

Halleluja.

(EG 125, 1)

 

Autor:

Diese Verse stammen aus einem Pfingstlied im evangelischen Gesangbuch. Dazu haben wir ein Choralvorspiel von Johann Ludwig Krebs mit Orgel und Oboe gehört.

 

Seit fast 1000 Jahren erklingt nun schon in den christlichen Gottesdiensten des Abendlandes dieses Lied mit der Bitte um den Heiligen Geist.

 

Durch Martin Luther wurde der deutsche Text – auch um zwei Strophen von ihm erweitert - Teil des evangelischen Gottesdienstes. Und die erste Strophe dieses Pfingstliedes steht auch im „Gotteslob“, dem katholischen Gesangbuch. Die Bitte um den Heiligen Geist – das ist eine der wichtigen Gemeinsamkeiten der christlichen Kirchen.

 

Das erste, was an diesem Lied bemerkenswert ist: Der Geist selbst ist mehrmals als „Herr Gott“ angesprochen. Somit kommt es darauf an, dass wir nicht zwischen Gott und dem Heiligen Geist trennen. Mit anderen Worten: Das Pfingstfest ist Anlass, über das rechte Gottesverständnis des christlichen Glaubens nachzudenken. Dieses schließt die Einheit von Vater, Sohn und Heiligem Geist ein.

 

Gerade im christlich-muslimischen Gespräch muss die christliche Seite über diese Einheit Auskunft geben. Denn die Muslime halten den Christen ja vor, diese hätten drei Götter. Die Bitte um den Heiligen Geist ist zugleich immer auch die Bitte um Gottes kräftige Anwesenheit und um den Geist Jesu Christi mitten unter uns. Also es handelt sich um ein- und dieselbe Bitte. Diese Anwesenheit soll sichtbar sein in der Liebe, einer Liebe, die keine Grenzen kennt.

 

Die Überwindung von Grenzen klingt in der biblischen Pfingstgeschichte an. Da werden die Jünger so vom Heiligen Geist erfüllt, dass Menschen aus unterschiedlichen Ländern, mit unterschiedlichen Sprachen die gute Nachricht, das Evangelium vernehmen. Dieses Sprachenwunder ist so unglaublich, dass die Menge es nicht erklären kann und die Jünger für betrunken hält.

 

In dem zu Anfang zitierten Pfingstlied geht das Wunder noch weiter, dass Menschen aller Sprachen sich durch Gottes Geist zusammen finden. Das ist das Wunder der Ökumene heute, der weltumspannenden, alle Kontinente umgreifenden. Noch nie konnten sich Christen aus aller Welt so zusammenfinden, wie das im vergangenen Jahrhundert geschah. Dazu haben natürlich auch die modernen Reise- und Kommunikationsmöglichkeiten beigetragen - das Flugzeug, die Massenkommunikationsmittel.

 

Gottes Geist kann durch dies alles kräftig und wirksam werden – und die Christen aufbrechen lassen zur Einheit. Die Bitte der Christen, der Geist möge kommen, stellt sich jetzt heraus als Bitte um die christliche Einheit. Wir hören sie jetzt noch einmal im Wortlaut des alten Lutherliedes

 

Musik 2: Choral, Strophe 1: Komm, heiliger Geist…, aus: „Jesus geh voran“ Nr. 21 (1:35)

 

Autor:

Höre ich diese schönen Verse, muss ich auch an eine weniger schöne Geschichte aus dem Bauernkrieg denken.

 

Im Jahre 1525 waren die Thüringer Bauern nach einem Zug der Verwüstung schließlich am 15. Mai bei Frankenhausen angekommen, umlagert von den fürstlichen Heeren. Philipp Melanchthon, der Humanist und Reformator, hat uns in seiner – man muss sagen – tendenziellen Weise überliefert, was sich dann abspielte. Er und Luther, die führenden Wittenberger Reformatoren, standen auf Seiten der Fürsten. Sie hatten an dem geistlichen Führer des Bauernaufstandes, Thomas Müntzer, kein gutes Haar gelassen. Von ihm sagt Philipp Melanchthon, dass „er sich rühmte, er habe den Heiligen Geist und fürchte sich nicht und habe einen göttlichen Befehl, in aller Welt zu predigen.“

Melanchthon berichtet:

 

Sprecherin:

Nachdem die Fürsten sahen, dass die Lage der Bauern ziemlich aussichtslos war, „hatten sie Mitleid mit den törichten, unseligen Leuten und beschlossen, sie ein letztes Mal zu ermahnen, und schickten Gesandte zu ihnen, damit sie abzögen und die Anführer und Anstifter des Aufruhrs auslieferten. Die armen Leute waren erschrocken und wären wohl zu belehren gewesen; aber der Teufel wollte seinen Frevel durch Thomas (Müntzer) ausführen. Er drängte Thomas dazu, dass er sie zu bleiben und sich zu wehren ermahnte.“

 

Autor:

Für Melanchthon ist es nicht der Heilige Geist, der Thomas Müntzer treibt, sondern der Teufel selbst. Nachdem Thomas Müntzer ausgeredet hatte, waren wohl die Bauern uneins, was sie machen sollten:

 

Sprecherin:

„Es bestand aber keine Ordnung und Führung, um zu beratschlagen, was man tun sollte. Auch gab es einige übermütige Spitzbuben, die Lust hatten, zu kämpfen und sich selbst ins Unglück zu stürzen....Auch war die Schar ziemlich groß und lag strategisch günstig, sodass sie meinten, sie würden den Fürsten gegenüber stark genug sein, denn es waren um die achttausend Bauern. Und so schrien einige Spitzbuben, man solle sich zur Gegenwahr stellen - und fingen an das Lied ‚Komm, heiliger Geist‘ zu singen.“

 

Autor:

Da die Fürsten keine Nachricht aus dem Bauernheer bekamen, rüsteten sie zum Kampf. Über den Ausgang des Treffens berichtet Melanchthon:

 

Sprecherin:

„Man rückte gegen die Bauern vor und begann zu schießen. Die armen Leute aber standen da und sangen: ‚Nun bitten wir den Heiligen Geist‘, als ob sie wahnsinnig wären, und machten weder Anstalten zur Verteidigung noch zur Flucht. Viele trösteten sich auch mit dem großen Versprechen von Thomas, dass Gott himmlischen Beistand erzeigen würde, da Thomas gesagt hatte, er wolle alle Schüsse mit den Ärmeln auffangen. Als man nun zu ihnen in die Wagenburg einbrach und sie zu erstechen begann, da wandten sich die unseligen Leute zur Flucht, der größere Teil in Richtung auf den Flecken Frankenhausen, einige auch auf die andere Seite des Berges...Etwa fünftausend Mann blieben tot zurück.“

 

Autor:

Diese religiöse Rechtfertigung von Gewalt, die sich in diesen Geschehnissen ausdrückt, können wir nicht mehr hinnehmen. Um der Wirkung des Heiligen Geistes auf die Spur zu kommen, greife ich wieder auf das Pfingstlied vom Anfang zurück. Die zweite Strophe, von Martin Luther verfasst, lautet:

 

Sprecherin:

Du heiliges Licht, edler Hort,

lass leuchten uns des Lebens Wort

und lehr uns Gott recht erkennen,

von Herzen Vater ihn nennen.

O Herr, behüt vor fremder Lehr,

dass wir nicht Meister suchen mehr,

denn Jesus im rechten Glauben

und ihm aus ganzer Macht vertrauen.

Halleluja

 

Autor:

Martin Luther hat diese Strophe zwar vor der Schlacht bei Frankenhausen gedichtet hat. Aber man spürt in ihr schon die heraufziehenden Auseinandersetzungen. Insbesondere dachte Luther an die katholische Kirche, die den Geist Gottes für sich und ihr eigenes Handeln in Anspruch nahm. Aber seine Zeilen gelten für ihn auch in den gesellschaftlichen und sozialen Auseinandersetzungen.

 

Er stellt – ganz reformatorisch - das biblische Wort dabei in den Mittelpunkt. Es will Leben schaffen, nicht Gewalt entfachen. Es lässt uns Gott erkennen als barmherzigen Vater. Im Lichte des Heiligen Geistes können wir dieses Wort auch finden. Als Wort der Heiligen Schrift, das wir uns nicht selbst sagen können.

 

Das geht dann auch gegen alle, die sich selbst als Meister neben der Schrift verstehen. Unter die fremden Lehrer und die falschen Meister zählt für Martin Luther Thomas Müntzer genauso wie der Papst und die Bischöfe. Dass Luther dabei manchmal auch übertrieben und überspitzt hat, soll nicht unerwähnt bleiben.

 

Was aber bis heute nicht erledigt ist, ist die Frage nach der religiösen Rechtfertigung des Handelns. Thomas Müntzer hatte damals das revolutionäre Aufbegehren der Bauern auf die Stimme des Heiligen Geistes zurückgeführt, die er zu vernehmen meinte. Heute lässt uns das Thema Gewalt in der Erscheinungsform des Terrors nicht los. Aber es geht nicht nur um Gewalt, es geht auch um die Themen Freiheit und Gerechtigkeit. Dafür will der Heilige Geist die Herzen der Gläubigen begeistern. Aber woher kommen die Maßstäbe für den Heiligen Geist? Anders gefragt: Wie verhalten sich das Wort der Heiligen Schrift und der Heilige Geist zueinander?

 

Musik 3 / Choralvorspiel: Telemann dreistimmig Nr.11 (2:47)

 

Autor:

Der Maßstab für den Heiligen Geist ist das biblische Wort. Aber wird damit der Heilige Geist nicht eingesperrt? In seiner freien Entfaltung gehindert, in seinem Wehen, wo und wann er will?

 

Maßstab ist, woran Gott sich selbst gebunden hat, als er uns sein menschliches Antlitz in Jesus Christus zeigte: sein Erbarmen und sein Mitleid mit uns. Darum das Drängen Martin Luthers, dass es keine anderen „Meister“ geben darf. Darum seine Sicht der theologischen Lage zu seiner Zeit, dass das Papstamt den Blick auf den einen „Meister“ Jesus Christus verstellt, und dass der Marien – und Heiligenkult dies in gleicher Weise tut.

 

Heute kann ich als evangelischer Christ mit den katholischen Glaubensgeschwistern darüber einen freimütigen Dialog führen, was - in der Praxis unserer Frömmigkeit - den Blick auf Jesus Christus verstellt oder ihn eröffnet.

 

Und wir können im Dialog mit den Katholiken nach dem richtigen Leben fragen, zu dem der Heilige Geist uns führen will, dem Leben unter Christus.

Das nimmt die dritte Strophe des zitierten Pfingstliedes auf:

 

Sprecherin:

Du heilige Glut, süßer Trost,

nun hilf uns fröhlich und getrost

in deim Dienst beständig bleiben,

die Trübsal uns nicht wegtreiben.

O Herr, durch dein Kraft uns bereit

und wehr des Fleisches Ängstlichkeit,

dass wir hier ritterlich ringen,

durch Tod und Leben zu dir dringen.

Halleluja

 

Autor:

Der Heilige Geist will Wirkung in unserm Leben zeigen.

 

Luther hat in seinem Pfingstlied die Wirkung des Geistes in zwei Worten geschildert: fröhlich und getrost. Das wäre es doch, mehr braucht es auch nicht. Fröhlich und getrost Christ zu sein, ist das nicht gerade genug.

 

Und brauchen wir die Ermutigung zu solchem christlichen Leben nicht auch in der Gemeinsamkeit des Glaubens? Unsere Gesellschaft braucht die Menschen, die fröhlich und getrost Christen sind und aus dieser Überzeugung ihre Verantwortung für Gerechtigkeit und richtiges Leben unter uns wahrnehmen. 

 

Dass uns die Trübsal nicht wegtreibt. Martin Luther erkennt hinter der Trübsal eine wahrhafte Trostlosigkeit. Es ist die Trübsal eines angefochtenen Glaubens. Weil Gott nicht mehr als der gesehen wird, der in der Kraft des Geistes tröstet, verliert das Leben selbst seinen Halt. Das treibt immer mehr vom Glauben fort. Das Leben wird immer haltloser.

 

Solche Sicht der Gottlosigkeit mag dem modernen Menschen fremd erscheinen, für den Gottlosigkeit eine Selbstverständlichkeit geworden ist.

 

Da ist das Interview mit dem Touristen in Jerusalem bei der Karfreitagsprozession. Er kam aus der früheren DDR, hat dies auch noch betont. Und zugleich damit gesagt, dass er ja Atheist sei. Man spürte, wie fremd er diesem Geschehen gegenüber stand, auch wenn er dann einräumte, dass es ja gut sei, etwas über die christliche Vergangenheit zu lernen und ein leichter Schauer ihn auch berührt hätte.

 

Ist das schon die Wirkung des Geistes? Wenigstens ein leichter Schauer wird spürbar. Martin Luther spricht natürlich eher von denen, die im Glauben stehen und dabei aber die Zweifel kennen. Auch die Ängstlichkeit und Schwäche kennen, und das Versagen und die Schuld.

 

Musik 4 / Choral, 2. Strophe, Komm, heiliger Geist…(Du heilige Brunst…), auf: Jesus geh voran Nr. 16 (1:41)

 

Autor:

Dass das Leben im Geist nicht nur ein Aufenthalt in einer gemütlich eingerichteten Stube ist, das zeigt das „ritterliche Ringen“, von dem Martin Luther spricht. Fröhlich und getrost zu leben und zu glauben, das ist immer auch ein Stück Tapferkeit.

 

Im Wesentlichen aber will uns Martin Luther ermutigen und darin bestärken, um den Heiligen Geist zu bitten, der uns im Leben und im Sterben Kraft schenkt. Der unser Leben neu macht und uns im Glauben tröstet.

 

Martin Luther hat dabei das alte Pfingstlied so hoch gehalten, dass er von ihm sagen konnte, dass Text und Melodie vom heiligen Geist selbst gemacht sind.

 

Die ganz lebendige und frische Komposition von Telemann kann uns das noch einmal ins Herz spielen:

 

Musik 5 /  Choralvorspiel Telemann (1:43) 

 

 

Absage aus dem Funkhaus.

Sie hörten eine evangelische Morgenfeier zum Pfingstfest. Es sprach Kirchenpräsident i. R. Eberhard Cherdron. Die Zitate las Bärbel Jenner. 




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