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Rundfunkarbeit

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Samstag, 30. Juli 2011

Lebenszeichen
Als Gott den Mann erschuf, übte SIE nur

„Als Gott den Mann erschuf, übte SIE nur.“ Ein frecher Satz auf einer Spruchkarte. Ein Satz, der direkt zweifach mit bestehenden Klischees aufräumen will. Erstens: Nicht die Männer sind das starke Geschlecht, sondern die Frauen und zweitens: Gott ist eine Frau. „Als Gott den Mann erschuf, übte SIE nur.“

Mit dem starken Geschlecht und den Männern ist das so eine Sache. Objektiv gesehen spricht schon einiges dagegen: Frauen leben länger, sind also widerstandsfähiger. Mädchen sind früher reif als Jungen und in der Schule häufig besser. Auch an den Hochschulen machen sie meist die besseren Abschlüsse.

Sind Frauen also besser als Männer, hat der liebe Gott bei der Erschaffung des Mannes nur geübt? Also es kann schon sein, dass Frauen besser sind als Männer, aber zur Begründung dieser These die Bibel heranzuziehen, das halt ich doch für zu weit hergeholt.

Die Bibel erzählt in zwei ganz verschiedenen Geschichten, wie Gott die Menschen erschaffen hat. Einmal erzählt sie von Adam und Eva und zum andern von der Erschaffung der Welt in sieben Tagen.

In der Adam-und-Eva-Erzählung heißt es, dass Gott den Menschen aus Erde formte. Und dieser Mensch heißt deshalb „Adam“, weil er von der Erde – der Adama - genommen ist. Dieser Mensch ist noch nicht Mann oder Frau, sondern einfach Mensch, der Adam, der Erdling. Erst als Gott erkennt, dass es nicht gut für den Menschen ist, allein zu sein, da teilt Gott diesen Menschen. Aus einer Rippe des Menschen macht er einen weiteren Menschen. Jetzt sind auf einmal zwei Erdlinge da. Ein Mann und eine Frau, im Hebräischen „Isch und Ischda“. Die Geburtsstunde der Frau ist also auch die Geburtsstunde des Mannes, vorher war Adam einfach nur der Mensch, jetzt gibt es diesen Menschen als Mann und Frau. Sie wurden also beide gemeinsam geschaffen. Dasselbe sagt auch die andere Schöpfungsgeschichte, in der Gott die Welt in 7 Tagen erschafft. Dort steht nämlich ganz einfach: „Gott schuf also den Menschen als sein Abbild … als Mann und Frau schuf er sie.“ (Gen 1,27)

Und wie ist das mit Gott selbst, ist er Mann oder Frau? Folgt man der christlichen Tradition dann wohl eher ein Mann. Jesus selbst nennt ihn Vater, der gute Vater im Himmel. Häufig findet sich für Gott auch die Anrede „Herr“, also Hinweise für das männliche Geschlecht. Aber so einseitig männlich, wie es in der Tradition der christlichen Verkündigung gerne dargestellt wird, ist das Gottesbild der Bibel nun auch wiederum nicht. Im Buch Hosea (Kap 11)* zum Beispiel findet sich eine herrliche Beschreibung der Liebe Gottes zu seinem Volk. Und diese Liebe wird dort ganz und gar als eine mütterliche Liebe beschrieben. Gott ist hier nicht der liebende Vater sondern die liebende Mutter. Wörtlich sagt Gott von sich: „Ich war für sie wie solche, die einen Säugling an ihren Busen heben (Hos 11,4), ich habe sie gestillt (11,3). Der Text gipfelt in der Aussage: „Ich kann meinen glühenden Zorn nicht vollstrecken… denn Gott bin ich, und kein Mann.“ (Hos 11,9). Wenn mit männlich hart, zornig und rachsüchtig assoziiert wird, dann zieht Gott es vor, eine Frau zu sein.

Leider Gottes wird in den meisten Übersetzungen dieses Hosea-Textes die Weiblichkeit Gottes nicht so deutlich. Da steht dann anstelle von: „Ich habe ihn gestillt“ „Ich habe ihn laufen gelehrt“ anstelle von Busen steht Wange und die harte Aussage: „Denn Gott bin ich und kein Mann“ wird geglättet, in dem dort steht: „Denn Gott bin ich und kein Mensch.“ Obwohl im hebräischen Text eindeutig das Wort „Isch“ steht, was Mann heißt und nicht das Wort „Adam“, was Mensch bedeutet. Die weiblichen Seiten Gottes werden so verschwiegen. Dabei sind diese doch in den Schöpfungserzählungen schon Grund gelegt. Da werden die Menschen Abbild Gottes genannt. Und wenn Mann und Frau gemeinsam Abbild Gottes sind, dann muss in dem Urbild, in Gott, auch Mann und Frau sein.

Ich finde es gut, dass Gott männlich und weiblich ist. Er für uns wie ein gütiger Vater und eine liebende Mutter ist. Damit ist er nicht nur Urbild, sondern auch Vorbild für uns Menschen, egal ob wir Mann, Frau, Vater oder Mutter sind.


*  siehe: Helen Schüngel-Straumann: Denn Gott bin ich und kein Mann. Gottesbilder im Ersten Testament – feministisch betrachtet. Mainz 1996.


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