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Pressedienst

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Mittwoch, 12. Dezember 2001

Caritas / Soziales
Ordensfrau Lea Ackermann mit Stadtsiegel geehrt
„Außergewöhnliches Engagement im Zeichen der Menschlichkeit“
Boppard. – Dr. Lea Ackermann, Ordensfrau und Gründerin der Frauenhilfsorganisation Solwodi, ist für ihren Einsatz im Zeichen der Menschlichkeit und Gerechtigkeit mit der höchsten Auszeichnung der Stadt Boppard geehrt worden. „Mit der Verleihung des großen Stadtsiegels an Frau Dr. Lea Ackermann sollen ihre von Boppard ausgehenden außergewöhnlichen Initiativen für die Verbesserung der Stellung der Frauen aus den Ländern Afrikas, Asiens, Lateinamerikas sowie aus Ost- und Mitteleuropas, die in ihren Heimatländern oder in der Bundesrepublik Deutschland in extreme Notlagen geraten sind, gewürdigt werden“, erklärte Bürgermeister Dr. Walter Bersch bei der Verleihung der Auszeichnung am 9. Dezember im Alten Rathaus in Boppard. Die Ordensfrau engagiert sich seit 1987 mit ihren Mitarbeiterinnen weltweit gegen Frauenhandel und Zwangsprostitution.

„Die Sklaverei und ihre besondere Form im Frauenhandel“ sind nach Aussage von Bersch „ein wachsendes Problem in Deutschland“. Die betroffenen Frauen, die in der Regel aus wirtschaftlicher Not in die Bundesrepublik kämen, würden „häufig von skrupellosen Geschäftemachern wie Ware gehandelt“. Jährlich würden bis zu 120.000 Frauen als Zwangsprostituierte in die EU-Mitgliedsstaaten eingeschleust. Berlin an der Nahtstelle zwischen Ost und West sei dabei „zur Drehscheibe des internationalen Geschäfts geworden“. Der Gesetzgeber könne dieses Problem nicht alleine lösen. „Es ist eine gesellschaftliche Aufgabe ersten Ranges, die zuerst nur von der Gesellschaft selbst gelöst werden kann“, betonte der Bürgermeister. Hierzu habe Lea Ackermann durch ihre unermüdliche Arbeit „einen wichtigen Baustein gesetzt“. Die Ordensfrau bezeichnete die Auszeichnung mit dem großen Stadtsiegel als eine „ neue Kraftquelle für uns alle; sie zeigt, dass wir in unserem Kampf nicht allein stehen und gibt uns Mut, weiter zu machen“. Getrieben von Einzelschicksalen kämpfe sich Solwodi Tag für Tag „ durch den Sumpf der modernen Sklaverei“. Solwodi versuche einen Beitrag zu mehr Menschlichkeit, mehr Gerechtigkeit und Frieden in der Welt zu leisten, gemäß dem christlichen Gebot der Nächstenliebe. „Mir war dieses Gebot stets ein Auftrag, für mein privates Leben, für mein Wirken als Ordensfrau und für die Arbeit von Solwodi“, sagte Lea Ackermann.

Die Ordensfrau hatte 1987 in Boppard-Hirzenach den gemeinnützigen Verein Solwodi (Solidarität mit Frauen in Not) gegründet. Nach der Vereinsgründung gibt es mittlerweile in ganz Deutschland sieben Beratungsstellen, sechs Frauenhäuser und fünf Arbeitskreise. 32 Mitarbeiterinnen kümmern sich um die Belange der Frauen und Kinder. Das Frauenprojekt richtet sich auch gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern in aller Welt. Durch Beratungsarbeit leistet Solwodi individuelle Hilfe und versucht, mit den Klientinnen gemeinsam Lebensperspektiven zu entwickeln, ihre Fähigkeiten zu fördern und ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Ziel ist eine mittel- oder langfristige Hilfe auf dem Weg zur Eigenständigkeit. Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt ist die Betreuung von Frauen beispielsweise aus Brasilien, Ghana, Kenia, Philippinen und Thailand, die in Deutschland leben, aber wieder in ihr Herkunftsland zurückkehren möchten. Dabei handelt es sich um Frauen, die durch falsche Versprechungen von Schlepperorganisationen nach Deutschland gelockt werden und Erniedrigungen und Gewalt erleiden. Für ihr Engagement war Lea Ackermann u.a. mit dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse und dem Preis „Frau Europa 1998“ ausgezeichnet worden.



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