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Pressedienst

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Montag, 31. Juli 2006

Kultur
„Die Ehrfurcht vor dem Wort Gottes zum Ausdruck bringen“
Leihgaben aus Trierer Domschatz sind Prunkstücke bei Ausstellung in Paderborn

Der Deckel des Evangeliars aus Helmarshausen ist mit kostbaren Edelsteinen und Bergkristallen besetzt (Foto: Rita Heyen)

Trier/Paderborn – „Canossa 1077 – Erschütterung der Welt" – das ist der Titel einer groß angelegten kunst- und kulturhistorischen Ausstellung, die seit dem 21. Juli und noch bis zum 5. November in Paderborn zu sehen ist. Unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Horst Köhler zeigen die Stadt Paderborn, das Erzbistum Paderborn und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe mehr als 700 Exponate, die einen umfassenden Einblick in die Geschichte, Kunst und Kultur des 11. und frühen 12. Jahrhunderts geben wollen. Zu den wichtigsten Ausstellungsstücken gehören auch Leihgaben aus dem Trierer Domschatz.

Allen voran, so erläutert der Kustos des Domschatzes Prof. Dr. Franz Ronig, zähle dazu – neben einem griechischen Lektionar (Simeons Codex) – ein Evangeliar aus Helmarshausen, das in den vergangenen zwei Jahren in Trier von Hans Alof aufwändig restauriert worden sei. Der Buchdeckel des Evangeliars ist mit kostbaren Edelsteinen und Bergkristallen besetzt. Die Figuren des Deckels sind in hauchdünnes Kupferblech getrieben und feuervergoldet. Der Deckel, so betont Prof. Ronig, sei ein „Prunkstück" der Goldschmiedekunst. Inzwischen wisse man, dass Roger von Helmarshausen, der ihn um das Jahr 1100 hergestellt habe, und Theophilus Presbyter, der ein bis heute unerreichtes Werk über die künstlerischen Techniken mit dem Titel „Schedula diversarum artium – Buch der verschiedenen Künste" geschrieben habe, ein und dieselbe Person seien.

Der Deckel des Evangeliars, so erklärt Prof. Ronig, symbolisiere Christus und die Erlösung. Menschwerdung, Tod, Auferstehung und Himmelfahrt würden durch die Evangelisten-Symbole repräsentiert. Auf die vier Evangelisten werde hingewiesen, zum einen als „Thronassistenten von Christus" und zum anderen als Verfasser der Evangelien. Prof. Ronig macht deutlich, dass das Evangeliar aus Helmarshausen wie auch die drei weiteren nach Paderborn aus dem Trierer Domschatz ausgeliehenen Evangeliare nicht nur Kunstwerke seien, sondern eine große Bedeutung im liturgischen Vollzug hätten: „Die Kunst ist hier kein Selbstzweck. Die Kunstwerke zeigen die Erfurcht und den Aufwand von Schönheit, der zur Feier der Heiligen Liturgie betrieben wird. Diese Werke sollen, wie es Erzbischof Gerbert von Aurillac, der spätere Papst Silvester II., gesagt hat, die Augen und den Geist weiden. Das hat mit Prunk nichts zu tun. Es geht um den Glanz der Liturgie. Die Kunstwerke sollen etwas vom Geist der Ewigkeit reflektieren, sollen die Ehrfurcht vor dem Wort Gottes zum Ausdruck bringen und zugleich das Auge erfreuen."

Neben den Evangeliaren zählt auch das um das Jahr 1100 hergestellte Gozbert-Rauchfass zu den Leihgaben, die aus dem Trierer Domschatz den Weg in die Ausstellung nach Paderborn gefunden haben. Für Prof. Ronig ist dieser vergoldete Bronzeguss das „schönste und kostbarste Rauchfass der Welt". Hergestellt wurde es von Gozbert nach den Regieanweisungen des Theofilus Presbyter nach dem so genannten Wachs-Ausschmelz-Verfahren. Hierbei wird zunächst ein Wachsmodell ausgearbeitet, dieses wird mit Ton umkleidet und in ein Tonpaket eingepackt. Nach der Trocknung wird es erhitzt, das Wachs läuft aus, in die hohle Form wird die Bronze gegossen. Die Figuren des Rauchfasses, so erläutert Prof. Ronig, sind dem Alten Testament entnommen und nehmen Bezug auf den Messkanon: Abel, der das Lamm opfert, Melchisedech mit Brot und Wein, Abraham, der daran gehindert wird, Isaak zu opfern und Issak, der Jakob statt Esau segnet. Und gekrönt werden sie von König Salomon auf dem Löwenthron, der auf Christus verweist.

Weitere Informationen zur Ausstellung in Paderborn gibt es im Internet unter www.canossa2006.de, Tel.: 05251-88-29 88, Mail: canossa2006@paderborn.de




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