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Rundfunkarbeit

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Mittwoch, 24. September 2008

Zwischenruf SR1 und SR3
Du sollst nicht fluchen!

 

Als ich auf dem Parkplatz unserer Kindertagesstätte ankomme, regnet es in Strömen. „Scheißwetter!“ rufe ich einer anderen Mutter zu, die ebenfalls gerade vorgefahren ist und unter ihrem Schirm auf mich wartet. „Bei uns daheim bekämst du jetzt einen Strich“, sagt sie.

Als ich verständnislos gucke, erklärt sie mir, dass es in ihrer Familie eine neue Regel gibt: Wer Schimpfwörter oder  Kraftausdrücke benutzt, kriegt einen Strich. Wer soundsoviele Striche hat, muss etwas in eine gemeinsame Kasse werfen. Die Kinder knapsen ein paar Cent vom Taschengeld ab, für die Erwachsenen wird es schon teurer.

Anfangs ist da einiges zusammen gekommen. In der Schule und im Sportverein herrscht ein rauer Ton, und das hört man den Kindern auch zuhause an. Da war es nötig, etwas zu unternehmen. Mittlerweile verzichten die Jungs völlig auf „böse Wörter“, machen sich aber einen riesigen Spaß daraus, die Eltern zu erwischen, wenn denen ein verbotener Ausdruck rausrutscht.

“Da kommt man schon ins Grübeln, wie gedankenlos man oft drauflos schimpft und flucht“, meint meine Bekannte. Jetzt achteten alle viel mehr auf ihre Sprache. „Neulich habe ich nur über jemanden gesagt ‚Der spinnt!’, und sofort haben die Jungen ‚Strich für dich!’ gerufen!“

Das sei nun ein wenig übertrieben gewesen, sagt sie, aber alles in allem sei der Ton zuhause heute wesentlich ziviler als vor Einführung der neuen Regel. Ein vernünftiger Ansatz, denke ich, und verkneife mir auf der Heimfahrt mit meinen Kindern jeglichen Kommentar zu den Fahrkünsten meines Vordermanns.

 




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