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Rundfunkarbeit

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Dienstag, 19. Juli 2011

Innehalten SR2
Geboren werden und sterben

Neulich sprach mich ein Mann in der Stadt an. Er war bei einer Beerdigung dabei gewesen, die ich gehalten hatte. Und er erinnert sich noch sehr gut daran. Ich bin nämlich gerade schwanger. Dieses Bild hat sich ihm sehr eingeprägt: Eine Frau, die offensichtlich ein Kind erwartet, beerdigt einen Menschen, der gerade verstorben ist. Leben, das noch entsteht und Leben, das schon vergeht. Ganz nah beieinander. Einen größeren Gegensatz kann man sich fast nicht ausdenken. Für den Mann, der mich ansprach, hatte es etwas Tröstliches. Ein Mensch verlässt die Welt. Ein neuer Mensch wird geboren. Für ihn hat sich da ein Kreis geschlossen.

Für mich war die Situation am Anfang nicht so einfach, als mein Babybauch nicht mehr zu übersehen war. Fast jeder denkt doch beim Anblick einer Schwangeren erst mal an die Freude, die ein niedliches Neugeborenes verbreitet. An neues Leben und Familienglück. Und wir freuen uns ja auch wirklich auf unser Kind.

Und dann gehe ich mit meinem Bauch und meiner Freude in Familien, bei denen gerade ein Leben zu Ende gegangen ist. Und auch wenn ich daran glaube, dass die Menschen ja nur auf der Erde sterben, aber bei Gott weiterleben: Zuerst ist da mal die Trauer der Angehörigen. Sie müssen sich vom gemeinsamen Leben mit einem lieben Menschen verabschieden.

Am Anfang war das seltsam. Erst nach und nach hat sich auch in meinem Kopf der Kreis geschlossen. Nämlich als mir klar wurde, dass das wirklich zusammengehört. Geboren werden und sterben. Alles braucht einen Anfang. Niemand kann leben, ohne dass er auf die Welt kommt. Und was einmal anfängt, endet irgendwann auch einmal. Zumindest auf der Erde. So schreibt z.B. Kohelet in der Bibel:  „Alles hat seine Stunde. (...) eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben (...) eine Zeit zum Weinen (...) und eine Zeit für den Tanz.“

Aber, so sehr man sich über den Anfang eines neuen Lebens freut, so sehr blendet man oft das Ende aus. Es tut eben weh, an das Ende zu denken, an den Abschied. Am liebsten vermeiden wir es deshalb.

Inzwischen gehe ich gelassener zu den Trauernden. Ich vertraue einfach darauf: Auch sie haben bestimmt schon einmal getanzt. Und ich hoffe, dass sie es irgendwann auch wieder tun. Und ihre Trauer und meine freudige Situation sind zwei Seiten einer Medaille – nämlich des Lebens. 


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