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Rundfunkarbeit

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Samstag, 16. April 2011

Lebenszeichen
50 Jahre Konferenz der Kirchen am Rhein

 

Ich will mit einer persönlichen Bemerkung beginnen. Sie erklärt, warum ich mich der Konferenz der Kirchen am Rhein verbunden fühle. Berlin ist meine Geburtsstadt. Als ich dort 1941 geboren wurde, konnten vorausschauende Menschen, die sich eine kritische Distanz zum nationalsozialistischen Taumel bewahrt hatten, bereits ahnen, was Europa noch bevorstand. Und wie schlimm es dann für Berlin kam. Angesichts der Geschichte der europäischen Völker mit ihren Kriegen sehe ich mit vielen anderen meiner Generation keine Alternative zu einem vereinigten Europa in Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit.

 

Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit sind nicht nur zentrale politische Leitbegriffe demokratischer Staaten. Sie reifen ja erst dort heran, wo der Einzelne, wo die Bürgerinnen und Bürger, sie zur inneren Überzeugungs- und Herzenssache machen. Wenn Christinnen und Christen die Bibel zur Richtschnur ihres Handelns wird, erkennen sie: Gott in seiner grenzenlosen Liebe möchte nicht, dass Menschen sich an dem aufreiben, was sie trennt, sondern sich über dem versöhnen, was sie eint und an dem sie gemeinsam teil haben. Solche Gedanken haben die Christen zusammengeführt, die 1961 die Konferenz der Kirchen am Rhein gegründet haben.

 

Als ihre Kernaufgabe hat es die KKR angesehen, „dass der Rhein Symbol der Verbindung bleibt und wird und nicht mehr als Chiffre für Abgrenzung und übergreifende Machtansprüche verstanden werden kann.“ Damals waren es vierzehn protestantische Kirchen, die zur Überwindung von über lange Zeiträume gepflegte gegenseitige Vorurteile der Menschen ihrer Länder beitragen wollten. Darunter zum Beispiel die Evangelisch reformierte Kirche Basel Stadt, die protestantischen Kirchen in Elsass und Lothringen, die Evangelische Kirche im Rheinland und andere deutsche Landeskirchen, die entlang des Rheins liegen. Im Jahr 2008 hat sich die KKR, ohne ihre Eigenständigkeit aufzugeben, einbinden lassen in die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen Europas.

  Diese Gemeinschaft zeugt davon, dass das Zusammenleben in versöhnter Verschiedenheit in Europa möglich ist. Hier wird Verschiedenheit als Reichtum verstanden, der dazu einlädt, sich gegenseitig zu ergänzen. In Europa nimmt ja religiöse und kulturelle Vielfalt zu, während wir in Deutschland immer wieder alte Grabenkämpfe führen, in der sich die Meinungen scheinbar unversöhnlich gegenüberstehen in Sätzen wie: „Der Islam gehört zu Deutschland“ – „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“. Die Konferenz der Kirchen am Rhein trug 2009 der zunehmenden religiösen und kulturellen Vielfalt Rechung, indem sie das Gespräch mit Repräsentanten des Islam in Europa suchte. Die Vertreterinnen und Vertreter der Konferenz wissen schließlich aus eigener Erfahrung: Wenn das geduldige Gespräch und das ernsthafte Interesse am Anderen nationale Vorurteile überwinden können, können auch interreligiöse Gespräche Brücken bauen zwischen Angehörigen unterschiedlicher Kulturen. 2009 hob die KKR Religionsfreiheit als ein Menschenrecht hervor und erklärte – mit Blick auf muslimisch und christlich geprägte Länder: Den Religionsgemeinschaften muss der „Bau und die Nutzung würdiger und angemessener Kultorte erlaubt“ sein.

 

Dies ist nur ein Beispiel für die Diskussionen, die Europa heute bestimmen. Europa muss ja weitergebaut und gestaltet werden als Raum, in dem die Verschiedenheit und Vielfalt der Mentalitäten und Kulturen als Chance gegenseitiger Bereicherung ergriffen werden. Europa steht zum Beispiel gemeinsam vor den Herausforderungen einer grenzüberschreitenden Umwelt- und Energiepolitik angesichts der atomaren Katastrophe in Japan oder einer gemeinsamen Wirtschaftspolitik angesichts der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise oder einer gemeinsamen Einwanderungspolitik angesichts vieler Flüchtlinge aus Afrika.

 

Die Christen, die sich in der Konferenz der Kirchen am Rhein engagieren, feiern daher ihr 50jähriges Jubiläum in dem Wissen, dass ihnen der Stoff noch lange nicht ausgehen wird und ihre ethischen und politischen Impulse aus dem Geist evangelischen Glaubens auch weiterhin gefragt sind.




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