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Pressedienst

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Mittwoch, 14. Dezember 2005

Seelsorge
Echtheit der „Erscheinungen“ nicht bestätigt
Bischof Marx erlässt Dekret zu Ereignissen in Marpingen

Trier/Marpingen –„Es steht nicht fest, dass den Ereignissen in Marpingen aus den Jahren 1876 und 1999 ein übernatürlicher Charakter zukommt. Es bestehen schwerwiegende Gründe, die es nicht erlauben, sie als übernatürliches Geschehen anzuerkennen." Das ist der Wortlaut eines Dekrets, das der Trierer Bischof Dr. Reinhard Marx am 13. Dezember erlassen hat. Am 14. Dezember erläuterten Bischof Marx und Theologen des Bistums bei einer Pressekonferenz in Trier die Gründe für die Entscheidung.

In Marpingen, einer 12.000 Einwohner-Gemeinde im nördlichen Saarland, hatten 1999 drei Frauen behauptet, dass ihnen die Gottesmutter erschienen sei. Insgesamt 13 „Erscheinungen" soll es zwischen Mai und Oktober 1999 gegeben haben. Tag und teilweise auch Uhrzeit der „Erscheinungen" wurden stets vorher angekündigt. Bis zu 25.000 Pilger kamen zu den angeblichen Erscheinungen. Bereits 1876 soll die Mutter Gottes drei achtjährigen Mädchen aus Marpingen im nahe bei dem Ort gelegenen Härtelwald erschienen sein. Der Vorgänger von Bischof Marx, Bischof Dr. Hermann Josef Spital, hatte im September 1999 eine Kommission aus Priestern, Kirchenrechtlern und Kirchenhistorikern beauftragt zu prüfen, ob den Ereignissen in Marpingen ein übernatürlicher Charakter zugesprochen werden müsse.

In einer Erläuterung zu dem Dekret, die im Kirchlichen Amtsblatt für das Bistum Trier veröffentlicht werden wird, heißt es, dass die von der Kommission zusammengetragenen Beweismittel nach der einstimmigen Überzeugung der Kommission „klar und eindeutig" erkennen ließen, dass die Übernatürlichkeit nicht feststehe. Über dieses Votum habe es eine Rücksprache mit der Römischen Glaubenskongregation gegeben und die Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz habe dem Bericht und Ergebnis ausdrücklich zugestimmt. Zu ihrem Votum gekommen ist die Kommission durch das Studium von Akten, Literatur, Film- und Tonmaterial, durch Gespräche mit den drei Frauen, die 1999 von den Erscheinungen berichtet hatten, durch weitere Gespräche, Berichte sowie durch Gutachten. „Detaillierte Angaben zu den Gründen, die für dieses Votum ausschlaggebend waren, können aus Rücksicht auf die Persönlichkeitssphäre der an den Geschehnissen beteiligten Personen nicht in die Öffentlichkeit gebracht werden. Es werden daher auch keine Namen genannt", heißt es in der Erläuterung. Weiter wird betont, dass es bei der Anordnung von Bischof Spital bleibe, dass in der kirchlichen Verkündigung weder formell noch materiell von „Erscheinungen" himmlischer Personen in Marpingen, von „Seherinnen" und von dort ergangenen „Botschaften des Himmels" gesprochen oder geschrieben werden dürfe. Publikationen, die im Widerspruch zu dem Dekret stünden, dürften in kirchlichen Räumen nicht verbreitet werden. Die Marienkapelle im Marpinger Härtelwald behalte ihren Charakter als Ort des Gebetes und der Verehrung der Gottesmutter.

In einem Schreiben von Bischof Marx an den Pfarrer von Marpingen, Leo Hofmann, heißt es dazu: „Eine Gebetsstätte wie der ’Härtelwald’ ist ein wichtiger Ort im Gesamtgefüge einer Diözese. Ohne solche Orte wäre die Kirche ärmer und das Glaubensleben kälter und unfruchtbarer." Bischof Marx bittet Pfarrer Hofmann, alle Menschen, die in Marpingen beten wollen, zusammen mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern pastoral zu begleiten. Wortgottesdienste, Andachten und Gebetszeiten könnten wie bisher im Härtelwald gefeiert werden.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.bistum-trier.de




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