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Pressedienst

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Dienstag, 23. Februar 2010

Bildung
Schöpfungsglaube als Voraussetzung für Evolution
Religionswissenschaftler bringt Darwin und die Bibel in Einklang
Professor Hans Kessler sprach beim Katholischen Forum Koblenz zum Thema "Bibel gegen Darwin?"
Professor Hans Kessler sprach beim Katholischen Forum Koblenz zum Thema "Bibel gegen Darwin?"
Koblenz – Mit Charles Darwin und seiner Evolutionstheorie sei der Schöpfungsglaube erledigt, höre man oft. Dieser Auffassung trat der Frankfurter Professor für systematische Theologie, Dr. Hans Kessler, am 22. Februar mit dem Vortrag „Bibel gegen Darwin? Schöpfungsglaube zwischen Kreationismus und Evolutuionstheorie“ beim Katholischen Forum Koblenz im Bischöflichen Cusanus-Gymnasium entgegen. Darwin habe seine Theorie nicht als materialistisch-atheistische Weltanschauung verstanden, sondern eine Biologie frei von religiösen Überzeugungen vertreten.

Kessler beleuchtete das Thema im Kontext der Kreationisten, die die Schöpfungstexte in der Bibel als Tatsachenbericht ansehen, und der Vertreter eines materialistischen Fundamentalismus, die den Schöpfungsglauben mit der Evolution unvereinbar sehen. „Die Evolution ist eine unbestreitbare Realität“, betonte der Theologe. Die Evolutionstheorie versuche kausale Zusammenhänge zu erklären, zwar seien viele Ergebnisse noch ungenügend, der Erfolg steige aber stetig. „Evolution ist ein Grundmerkmal der Schöpfung, aber nicht die allumfassende Erklärung“, sagte Kessler, die Evolution zur „Totaldeutung“ zu überhöhen, habe mit Wissenschaft nichts zu tun. Wie alle wissenschaftlichen Erkenntnisse sei die Evolution deutungsbedürftig und damit offen für verschiedenen weltanschauliche Deutungsmöglichkeiten. „Erklärungen auf verschiedenen Ebenen können ohne Konflikt nebeneinander existieren.“ So versuche die Religion sinndeutende Antworten zu geben, die keineswegs in Konflikt mit den Naturwissenschaften stünden. Kessler erläuterte, die Schöpfungstexte der Bibel seien als „Hymnus“ (Lied) und als bildhafte Erzählung zu verstehen. „Die sechs oder sieben Tage sind keine inhaltliche Aussage, sondern weisen auf die Form eines Liedes hin.“ Wichtig sei die Grundaussage „Gott ist der Urgrund, er eröffnet Lebensräume“. Dennoch seien die Texte nicht „anti-evolutionär“, das Geschaffene solle kreativ sein, dies werde als Gottes Weiterschaffen verstanden.

Die Evolution erkläre nicht alles, die Wissenschaft beschreibe Ursache und Wirkung und verbleibe innerhalb „welt-artiger“ Größe, führte Kessler aus. „Wer aber nach Gott fragt, fragt nach dem Grund des ganzen und nicht nur nach einem Glied in einer unendlichen Ursachenkette.“ Der Schöpfungsvorgang sei Voraussetzung der Evolution, liege ihr und allem zugrunde. „Gott macht, dass die Dinge sich selber machen“, zitierte Kessler den Jesuiten und Naturwissenschaftler Teilhard de Chardin. Dabei könne es auch zu Um- oder Abwegen kommen: „Gott muss in Kauf nehmen, dass die Natur seltsame Wege geht.“ Der Theologe warnte davor, Wissenslücken zu nutzen, „um Gott da reinzupacken“, das mache Gott zum „begrenzten Lückenbüßer“.

Die Naturwissenschaften lieferten Erkenntnisse, die einen sehen und glauben machen könnten, schloss Kessler: „Wer auf Gott setzt, trifft eine Wahl, die er vielleicht nicht beweisen, aber verantworten kann.“ Der Schöpfungsglaube sei eine vernünftige Option. Es gehe um so viel mehr, als die Evolution hervorbringen könne, Gott schaffe „Mitliebende“. „Es geht um Tod, Erlösung, ewiges Leben – das schafft die Natur nicht.“    




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