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Pressedienst

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Freitag, 26. Februar 2010

Bischof
Nicht Oberermittler, sondern Koordinator
Bischof Ackermann kündigt Aufklärung und Überprüfung an

Bischof Ackermann kündigt Aufklärung und Überprüfung aller Hinweise auf Missbrauchsfälle an
Trier – Der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann hat angekündigt, allen Hinweisen auf Kindesmissbrauch durch Geistliche und kirchliche Mitarbeiter „offensiv und lückenlos“ nachgehen zu wollen. „Wir wollen mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln zur Aufklärung beitragen“, sagte der Bischof am Freitag, 26. Februar bei einer Pressekonferenz in Trier. Darauf hätten die Opfer ein Recht. Bischof Ackermann war tags zuvor zum „Besonderen Beauftragten der Deutschen Bischofskonferenz für alle Fragen im Zusammenhang des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger im kirchlichen Bereich“ ernannt worden.

Als Beauftragter wolle er zunächst die Leitlinien zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche überprüfen. „Die Situation hat uns dazu gebracht, wir wollen die Leitlinien präzisieren“, sagte Bischof Ackermann. Außerdem werde er das Gespräch mit externen Beratern und Experten sowie Initiativen der Zivilgesellschaft suchen – hier gebe es bereits Angebote von dritter Seite. „Wir sind bereit, ins Gespräch zu gehen, da brauchen wir nicht die Nachhilfe der Justizministerin“, sagte er mit Blick auf die Forderung aus der Politik, einen Runden Tisch einzurichten. Weitere Aufgabe des Beauftragten und seines Büros, das bei der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn eingerichtet werden soll, sei es, Datenmaterial zu sammeln und einen Kriterienkatalog zur besseren Vergleichbarkeit möglicher Missbrauchsfälle zu erarbeiten. Mit Blick auf seine Rolle sagte der Bischof, dass es hauptsächlich um die Vernetzung der Bistümer untereinander und das Gespräch mit den Orden gehe. Die bisherigen Beauftragten in den Bistümern würden ihre Arbeit weiterhin machen. „Ich bin nicht der Oberermittler, sondern versuche, die Dinge zu koordinieren“, erklärte Bischof Ackermann. Weiter kündigte er an, das Gespräch mit den Verantwortlichen in der Priesterausbildung suchen zu wollen. Auch müsse man schauen, ob man die Beauftragten der Bistümer durch Fortbildungen noch besser für ihre Aufgabe qualifizieren könne. Er bot Opfern jede Form der „menschlichen, seelsorglichen und therapeutischen Hilfe“ an.

Um Fälle von Kindesmissbrauch zu verhindern, brauche es Vorbeugung und „eine Kultur des aufmerksamen Hinschauens“. Bischof Ackermann warnte allerdings davor, alle Geistlichen und kirchlichen Mitarbeiter unter Generalverdacht zu stellen. Stattdessen solle es Opfern leichter gemacht werden, sich zu melden. Dazu würden „niedrigschwellige Angebote“, beispielsweise eine Telefon-Hotline, geschaffen. Ziel der neu eingerichteten Stelle sei es auch, „verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen“ Dabei gehe es weniger um das Image der Kirche, als vielmehr um die Seelsorge an den Menschen. „Seelsorge lebt von pastoraler Nähe“, unterstrich Bischof Ackermann. Sei diese nicht mehr gegeben, bestehe die Gefahr, dass die Seelsorge steril werde.

Bischof Ackermann wehrte sich gegen „ungerechtfertigte Anwerfungen und populistische Argumente“. So könne man keinen Zusammenhang zwischen Pädophilie und Zölibat herstellen. Es sei ebenfalls nicht richtig, dass Kirche die Strafverfolgung behindere. „Es gibt bei Verdacht keine Anzeigepflicht“, betonte der Bischof. Das sei gängige Rechtspraxis und stehe auf dem Fundament der Rechtsordnung in Deutschland. Sinn dieser Regelung sei es, die Melde-Schwelle für Betroffene nicht noch weiter zu erhöhen. „Daraus den Schluss zu ziehen, dass Kirche sich einen eigenen Rechtsraum schaffen wolle, jenseits des Gewaltmonopols des Staates, ist abwegig“, betonte Bischof Ackermann.





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