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Pressedienst

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Freitag, 12. März 2010

Bildung
Arzt als Unternehmer
Vortrag über die Verwirtschaftlichung der Medizin

Trier – „Der Arzt als Unternehmer?" Zur Ökonomisierung der Medizin." Das war das Thema eines Vortrages der Katholischen Akademie Trier und der Augenklinik Petrisberg am 10. März in Trier. Das Verhältnis von Ethik und der zunehmenden Verwirtschaftlichung der Medizin stand im Mittelpunkt der Veranstaltung, an der rund 40 Personen teilnahmen.

„Ökonomisierung und Ethik ist kein Widerspruch", sagte Prof. Dominik Groß, Direktor des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik an der Universität Aachen. „Auch für die Ökonomisierung muss man Kriterien zugrunde legen. Und da macht es Sinn auch die ethischen Kriterien einfließen zu lassen", erklärte Groß. Bei der Auswahl der Kriterien solle man zum einen nach dem Egalitätsprinzip vorgehen, das heißt eine Gleichbehandlung aller Personen. Ein anderes Kriterium sei der Solidaritätsgedanke, die Berücksichtigung von Schwachen. Weiter sollten Entscheidungen partizipativ herbeigeführt werden, also die Bevölkerung beteiligt werden. „Das Thema soll transparent und öffentlich behandelt werden und nicht von irgendwelchen Meinungsträgern und Entscheidungsträgern hinter verschlossenen Türen entschieden werden", forderte Groß.

Die Honorarreform der Mediziner im vergangenen Jahr hat zu einer Protestaktion der Ärzteschaft geführt. Dr. Harald Reusch, seit 25 Jahren Arzt in Trier glaubt, dass viele Ärzte durch sie das Gefühl bekämen, weniger zu verdienen. Doch „darf nicht damit aufgehört werden, in der Medizin weiter nach Werten zu fragen", sagte Reusch.

Ein Anstieg der Kosten im Gesundheitssystem führt nach Groß dazu, dass eine fundamentale Gesundheitsreform herbeigeführt werden muss. Die Kostensteigerung werde etwa verursacht durch den medizinisch-technischen Fortschritt und die steigende Zahl älterer Menschen. 2006 betrugen nach einer Statistik der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die Ausgaben in Deutschland für das Gesundheitswesen 10,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Damit unterhält Deutschland eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt.

Ein zukünftiges Gesundheitssystem muss, so erklärte Groß, wirtschaftlich und gerecht sein: „Die große Herausforderung ist es, das Gesundheitssystem wirtschaftlich so nachhaltig zu gestalten, dass es die nächste Generation trägt. Und trotzdem muss es gerecht sein. So muss es den Leuten zumindest im Bereich der Basisversorgung Gleichbehandlung zukommen lassen."




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