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Pressedienst

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Donnerstag, 12. Januar 2012

Bischof
Sexuelle Gewalt verjährt moralisch nie
Meinungsaustausch mit Bischof Ackermann zum Thema „Sexueller Missbrauch“

Generalvikar Holkenbrink und Bischof Ackermann (von links) stellten sich Fragen zum Thema "Sexuelle Gewalt".
Trier – Sexuelle Gewalt verjährt moralisch nie. Zugleich sollten die zivilrechtlichen Verjährungsfristen verlängert werden. Das hat der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann am 11. Januar in Trier betont. Bischof Ackermann hatte die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bistums und weitere Interessierte zu einem Meinungsaustausch zum Thema „Sexueller Missbrauch“ eingeladen. In dem Gespräch ging es um die Fragen, wie die Aufarbeitung von Fällen sexueller Gewalt gut gelingen kann, wie ein angemessener Umgang mit den Opfern, aber auch mit den betroffenen Gemeinden möglich ist und wie eine Kultur der Achtsamkeit im Bistum Trier noch stärker etabliert werden kann. Rund 200 Interessierte folgten der Einladung des Trierer Bischofs.

In dem Gespräch räumten Bischof Ackermann und auch Generalvikar Dr. Georg Holkenbrink noch einmal ein, dass es im vergangenen Jahr bei der Aufarbeitung eines Falls von sexuellem Missbrauch in Saarbrücken „gravierende Fehler“ gegeben habe. Gleichwohl widersprach der Bischof Vorwürfen, die katholische Kirche sei generell ein Einfallstor für Sexualstraftäter und es gebe ein „System der Vertuschung“. Bischof Ackermann sagte, dass die katholische Kirche in den vergangenen Jahren einen Perspektivenwechsel vollzogen habe. Während in der Vergangenheit bei Fällen sexuellen Missbrauchs in der Tat oft die Sorgen um die Täter und um den Ruf der Institution „Kirche“ im Vordergrund gestand hätten, bemühe man sich inzwischen sehr ernsthaft, an der Seite der Opfer zu stehen und zu verstehen, was die Taten sexueller Gewalt für diese oft ein Leben lang bedeuteten. Der Bischof bekräftigte, dass es kein Abrücken von einer Linie einer Nulltoleranz gegenüber den Verbrechen sexueller Gewalt gebe. Das schließe aber nicht aus, dass es auch in Zukunft noch Fehler in der Aufarbeitung von Fällen sexueller Gewalt geben könne. Er selbst und die übrigen Verantwortlichen im Bistum bemühten sich aber sehr, aus den Fehlern zu lernen und Abläufe zu verbessern. Bischof Ackermann kündigte auch an, dass das Bistum Trier eine Fachstelle für Kinder- und Jugendschutz einrichten werde, deren Aufgabe vor allem im Bereich der Prävention liegen werde.

Seitens der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an dem Meinungsaustausch wurden neben Fragen zum konkreten Fall in Saarbrücken auch generelle Forderungen erhoben: So sprachen sich einige Teilnehmer dafür aus, dass Täter grundsätzlich in keinem Feld der Seelsorge und nicht in der Spendung von Sakramenten, also etwa auch nicht mehr in Krankenhäusern oder Altenheimen, eingesetzt werden sollten. Notwendig seien eine offene Kommunikationskultur und eine „Berufsethik für Seelsorger“. Zudem sei es, wenn ein Fall sexueller Gewalt bekannt werde, wichtig, dass es seitens der Verantwortlichen des Bistums auch eine intensive Sorge um die Gläubigen in der betroffenen Pfarreiengemeinschaft gebe, vor allem um die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter.

Der Bischof und die Teilnehmer an dem Meinungsaustausch verständigten sich darauf, dass dieser fortgesetzt werden soll.



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