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Pressedienst

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Dienstag, 17. April 2012

Heilig Rock-Wallfahrt
"Lesen Sie die Bibel, lesen Sie den Koran!"
Verfassungsrechtler hält ersten Vortrag zu Ökumenischen Wochenimpulsen

Bibel und Koran respektieren: Professor Gerhard Robbers

Trier –„Lesen Sie die Bibel – und lesen Sie den Koran!“ Diesen Rat hat der Trierer Verfassungsrechtler und Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentags 2013 in Hamburg, Professor Gerhard Robbers, den Zuhörerinnen und Zuhörern beim Ökumenischen Wochenimpuls am 16. April in der Konstantin-Basilika gegeben. Der Vortrag stand unter dem Thema „Kreuz und quer verwoben! Christ sein in der Gesellschaft heute und der Dialog der Religionen“.

Robbers bezog sich auf die Aktion von Salafisten, die 25 Millionen Koran-Exemplare in verschiedenen deutschen Städten, darunter auch Trier, verteilt hatten. „Ich wünsche mir, dass die Menschen die Bibel lesen“, sagte Robbers.  Müsse er deshalb hoffen, dass der Koran nicht gelesen werde? Robbers mahnte, es dürfe weder Kultur- oder Kirchenkampf noch Religionskriege geben: „Religion durch Zwang zu verbreiten, das ist Gotteslästerung. Religion durch Zwang verhindern, das ist Feigheit.“ Robbers unterschied deutlich: Werde im Zusammenhang mit Koranverteilungen zu Gewalt aufgerufen oder würden Drohungen ausgesprochen, sei das ein Fall für den Verfassungsschutz und die Polizei. Den Koran aber zu verteilen: „Lassen Sie uns darüber sprechen.“


Freiheit zulassen

 

Der Koran sei ein Buch, das vielen guten Menschen heilig sei, das verdiene Respekt. Und er hoffe, dass diejenigen, denen der Koran angeboten werde, ihn freundlich und mit Respekt entgegen nehmen würden.Umgekehrt wünsche er sich, dass die, die den Koran verteilen, auch die Bibel annehmen und sie mit Respekt lesen. Robbers warnte davor, das Verteilen des Korans in Deutschland erst dann zuzulassen, wenn es möglich sei, in muslimisch geprägten Ländern wie Saudi-Arabein, Iran oder Nord-Nigeria Bibeln zu verteilen, ohne um sein Leben fürchten zu müssen: „Dann machen wir uns nur unglaubwürdig. Dann üben ja nicht einmal wir die Freiheit aus, die wir von anderen verlangen. Wir lassen hier die Freiheit zu, weil die Freiheit richtig ist.“ Robbers frage sich, ob solche  Aktionen für den Dialog der Religionen hilfreich seien? Ihm scheine es wichtiger, gelassen zu bleiben und ein gutes Beispiel zu geben. Toleranz und Respekt gegenüber anderen Religionen sei eine christliche Botschaft, auch wenn das „in unserer eigenen Geschichte oft genug schief gegangen“ sei.

Die Religionsfreiheit sei eine positive Freiheit: „Der Staat muss Raum geben, damit Religion sich möglichst ungehindert entfalten kann“, erläuterte der Verfassungsrechtler. Das gelte auch für mehr als vier Millionen muslimischer Mitbürger in Deutschland. Religion sei Privatsache, und gleichzeitig öffentlich relevant und öffentlich wirksam. „Religion ist Teil der guten öffentlichen Ordnung. Wenn der Islam Teil der guten öffentlichen Ordnung in Deutschland sein will, dann müssen die Muslime verlässliche, friedliche Partner sein. Dann muss der Islam öffentlich sein.“ Der Islam sei Teil der europäischen und der deutschen Kultur. Ihn aus den Bereichen des öffentlichen Lebens herauszudrängen sei falsch, ihm die Einbindung und die Bindung in der Gemeinsamkeit des öffentlichen Geschehens vorzuenthalten, sei gefährlich. Robbers rief dazu auf, neugierig zu sein und sich erinnern zu lassen, „was wir mit dem Islam gemeinsam haben“ über die tiefgreifenden Unterschiede hinaus. „Der Friede der Religionen wächst mit dem Wissen um das Gemeinsame“, betonte Robbers. „Fragen wir doch fröhlich in den Koran hinein – und respektvoll. Sollen uns doch auch die Salafisten nach der Bibel fragen – ich denke, es gäbe gute Antworten.“


Gemeinsam Antworten suchen


In die Veranstaltung eingeführt hatte Oberkirchenrätin Barbara Rudolph aus Düsseldorf. Sie erinnerte daran, dass die Ökumenischen Wochenimpulse währen der Heilig-Rock-Wallfahrt eine Brücke schlagen zum Internationalen Ökumenischen Forum, das Anfang des Jahres in Trier stattgefunden hatte. „Die Wallfahrt ist etwas Besonderes, weil viele Menschen dabei sind, die mit der Reliquie wenig anfangen können“, sagte Rudolph. Das Bistum habe aber den Weg dadurch möglich macht, indem es Jesus Christus, auf den die Reliquie verweise, ins Zentrum der Wallfahrt stelle. Wenn sie in diesen Tagen gefragt werde, was evangelische Christen „denn da machen“, antworte sie, dass es darum gehe, gemeinsam Antworten zu suchen und sich Zeit zu nehmen, aufeinander zu hören. „Und der Rock gibt uns dazu Anleitung“, sagte sie, und verwies auf die weiteren Vorträge zu den Ökumenischen Wochenimpulsen, die jeweils montags um 15 Uhr in Konstantin-Basilika stattfinden. Mehr Informationen dazu gibt es unter http://www.heilig-rock-wallfahrt.de/oekumene/spirituelle-angebote/wochenimpulse.html im Internet.



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