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Pressedienst

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Montag, 8. März 2004

Politik / Gesellschaft
Als bekennender Christ im KZ verhungert
Pfarrer Johannes Schulz findet im Elmer Priestergrab letzte Ruhestätte

Bischof Dr. Reinhard Marx setzt die Urne des Glaubenszeugen Schulz im Elmer Priestergrab bei
Elm – Johannes Schulz, von 1919 bis 1935 Pfarrer in Elm-Derlen St. Josef, hat jetzt im Priestergrab vor seiner ehemaligen Pfarrkirche seine letzte Ruhestätte gefunden. Die Urne des 1942 im KZ Dachau verhungerten Priesters und Glaubenszeugen wurde - nach deren Auffindung und Hebung - am 7. März vom Trierer Bischof
Dr. Reinhard Marx bestattet. Bereits an Allerseelen im vergangenen Jahr hatten Pfarr- und Zivilgemeinde den „ Pfarrer-Johannes-Schulz-Platz“ an der Pfarrkirche eingeweiht um an den unvergessenen Glaubenszeugen zu erinnern.

Der Bestattung voraus gegangen war ein feierliches Pontifikalamt mit Bischof Marx in der Pfarrkirche. Militärdekan Monsignore Carl Ursprung, Dechant Hans-Georg Müller, weitere Priester und etwa 600 Gläubige feierten in der überfüllten Kirche mit dem Trierer Bischof Gottesdienst. Zu Beginn stellten die beiden Elmer Pfarrgemeinderats-Vorsitzenden Helene Alt (Maria Himmelfahrt) und Birgit Klaus (St. Josef) die Person und das Zeugnis des Priesters Johannes Schulz vor. Der ehemalige Militär-Geistliche habe als Pfarrer von Elm und später Nikenich (Eifel) deutlich Stellung gegen den Nationalsozialismus bezogen und vor Hitler gewarnt. 1940 wurde er verhaftet. Nach seiner Haft in den KZs Buchenwald und Sachsenhausen verhungerte Schulz 1942 im KZ Dachau als Häftling Nr. 22541. Den Tod im KZ nahm Johannes Schulz auf sich damit seine Gemeinde gerettet werde für die Ewigkeit. Der ehemalige Elmer Pfarrer, der als bekennender Christ ein Opfer des Nationalsozialismus wurde, erhalte nun seine letzte Ruhestätte. Das sei eine Mahnung „für uns, auch heute mutig für unsere Überzeugungen einzustehen“. Das Zeugnis des ehemaligen Pfarrers rufe dazu auf, das Geschehen von damals nicht zu vergessen.

Die Kirche sei eine Institution, die der Schnelllebigkeit widerstehen müsse, sagte Bischof Marx zu Beginn. Dazu gehöre es, dass „die Glaubenszeugen aus unserer Mitte nicht vergessen werden. Pfarrer Schulz bleibt in unserer Mitte lebendig“, sagte Marx. In seiner Predigt grenzte der Trierer Bischof den Begriff Märtyrer gegen dessen Missbrauch im Zusammenhang mit den aktuellen islamistischen Selbstmordattentätern ab. „ Selbstmordattentate sind eine Perversion der Religion“, sagte Marx. Wer das tue, sei kein Märtyrer sondern missachte den Glauben an den lebendigen Gott. Christliches Martyrium suche nicht den eigenen Tod sondern verwandele den durch ungerechte Gewalt erzwungenen Tod durch eine „hingebende Liebe“ in eine neue Wirklichkeit. Pfarrer Schulz habe durch sein Glaubenszeugnis die Gewalt, die ihm angetan wurde, verwandelt. Er habe die Qualen auf sich genommen, damit alle gerettet werden. Nicht der Umstand seines Todes, sondern wie er den Tod gedeutet und auf sich genommen hat, mache ihn zum Märtyrer. „Wir wollen den Glaubenszeugen nicht vergessen, sondern mit ihm gemeinsam in die Zukunft gehen“ sagte Bischof Marx.

Ortsvorsteherin Christel Albert sagte, die 62 Jahre bis zur ehrenvollen Beisetzung im Elmer Priestergrab zeigten dass es eine lange Zeit bedurfte um die „unglückselige Zeit des Nationalsozialismus“ zu verarbeiten. Das Zeugnis des überzeugten Christen und Priesters sei auch heute eine Mahnung etwa Rassismus und Terror entgegen zu treten und zu verhindern.



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