Webangebot der Pfarreiengemeinschaft St. Erasmus (Rheinböllen)


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Pfarreiengemeinschaft Rheinböllen

Nahe an Gott ... Nahe an den Menschen

Liebe Mitchristen

Mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit oder die österliche Bußzeit. Evangelische Christen sprechen auch von der Passionszeit.

Beim wirklichen Fasten geht es um mehr als um Abspecken, es geht um mehr als um eine Schlankheitskur oder der freiwilligen Entsagung besonderer Gaumenfreuden. Fasten hat biblisch gesprochen immer etwas mit Umkehr und Veränderung zu tun. Es geht darum, die Routine des Alltags zu hinterfragen; es geht darum, eine neue Perspektive einzunehmen; es geht darum, zu entdecken, worauf es wirklich ankommt im Leben. Ich soll am Ende der Fastenzeit nicht der Selbe sein.

Ein Ansatzpunkt ist das ehrliche Fragen: Was brauche ich? Ich - Thomas Schneider - bin leidenschaftlicher Radfahrer. Und wenn ich dann im Sommer beispielsweise eine lange mehrtägige Radtour unternehme, dann ich bin ich immer wieder verblüfft, mit wie wenig ich auskommen kann. Wie wenig Zeug in den Fahrradtaschen ist, wie wenig ich tatsächlich mit mir rumschleppen muss, um gut meine Radfahrziele (auch in den Alpen) zu erreichen. - Weniger ist oft mehr. Wir leben ja nicht nur in einer Überflussgesellschaft. Wir leben ja auch in einer Wegwerfgesellschaft mit teilweise verheerenden ökologischen Konsequenzen.

Da darf sich jede und jeder sicherlich immer wieder hinterfragen. Oder wie es Papst Franziskus in der Enzyklika „Laudato si“ schreibt: „Wenn wir uns ... allem, was existiert, innerlich verbunden fühlen, werden Genügsamkeit und Fürsorge von selbst aufkommen.“ (Kapitel 11) In einem Artikel ist Folgendes zum Thema Fastenzeit zu lesen. Der Missionsbenediktiner Anselm Grün sagt da: „Fasten, Almosen geben und Beten, das sind die drei Formen der Frömmigkeit im Judentum. Jesus übernimmt sie. Almosen geben sollte auch das Bewusstsein verändern und zu einem weiten Herzen führen: Indem ich faste werde ich auch sensibler für andere Menschen, lasse ich sie an mich heran und werde solidarisch mit ihnen. Es geht darum, dass man merkt, wie sehr man selber im Überfluss lebt, dass man wahrnimmt, dass es anderen Menschen nicht so gut geht. Und für sich selbst auch Konsequenzen daraus zieht.“ (einfach leben Nr. 3, Verlag Herder, 2015, Seite 7) Ich komme zurück auf den Aschermittwoch: Die österliche Fastenzeit beginnt am Aschermittwoch und endet mit der Karwoche. Sie umfasst 40 Tage und soll an die 40 Tage erinnern, die Jesus in der Wüste verbracht hat.

Der Name des Aschermittwochs leitet sich von einer Tradition der alten Kirche her: Damals zogen sich Büßer zu Beginn der Fastenzeit ein Bußgewand an und wurden mit Asche bestreut. Die Tradition der Aschebestreuung ist seit dem 11. Jahrhundert auf die ganze Gemeinde übergegangen und gehört bis heute zur Liturgie der katholischen Gottesdienste an Aschermittwoch.

Die Asche, die aus verbrannten Palmzweigen des Vorjahres gewonnen wurde, wird mit Weihwasser gesegnet und dann wird den Gläubigen ein Aschekreuz auf die Stirn gezeichnet. Dabei wird gesprochen: „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst“ oder „Bekehre dich und glaub‘ an das Evangelium“.

Die Asche erinnert an die Vergänglichkeit des Menschen und symbolisiert, dass Altes vergehen muss, damit Neues entstehen kann. Mit dem Aschenkreuz auf der Stirn zeigen Christen, dass sie bereit sind zu Buße und Umkehr. Sie bekennen sich gleichzeitig dazu, dass für Christen das Kreuz und der Tod nicht das Ende sind, sondern Anfang eines ewigen Lebens bei Gott.

Die Symbolik des Aschermittwochs hat auch Eingang in unseren Alltag gefunden. So leiten sich bekannte Redensarten wie „in Sack und Asche gehen“ oder „Asche auf mein Haupt“ von der Tradition des Aschermittwochs ab.

Vor dem Aschermittwochsgottesdienst werden Palmzweige verbrannt. Am Palmsonntag 2018 wurden diese Palmzweige gesegnet. Viele Christen haben zu Hause Palmzweige beispielsweise an den Zimmerkreuzen. Jetzt, mit Beginn der Fastenzeit, entfernt man diesen Schmuck. Aus den Palmzweigen entsteht dann die Asche. Herzliche Einladung alte Palmzweige mitzubringen...

Ihr

Thomas Schneider, Pfarrer